DBMM-Schlachtberichte

Hier veröffentliche ich in loser Folge Berichte von einigen meiner mit dem Tabletop-Regelsystem De Bellis Magistrorum Militum (DBMM) ausgefochtenen Schlachten. Vieles ist für den nicht DBMM-Spieler wegen der vielen Abkürzungen und speziellen Begriffe nicht unbedingt verständlich - ich hoffe, die Berichte bringen trotzdem die Spannung und Dramatik der einzelnen Schlachten rüber ⁣   

Nachfolgend einige Auflösungen für in den Schlachtberichten häufig verwendete Abkürzungen für die eingesetzten Truppen:

Reiterei

Cm = Camelry
Cv = Cavalry
El = Elephants
Exp = Expendables
Kn = Knights
LH = Light Horse

Fußtruppen

Ax = Auxilia
Bd = Blades
Bw = Bows
Hd = Hordes
Pk = Pikes
Ps = Psiloi
Sh = Shot
Sp = Spears
Wb = Warband

Tross

Art = Artillery
Bge = Baggage
WWg = War Wagons

Qualität

I = Inferior
F = Fast
O = Ordinary
S = Superior
X = Exception

Organisation

Reg = Regular
Irr = Irregular

Beispiel: Reg Bd (O) heißt aufgelöst Regular Blade Ordinary und bezeichnet reguläre, mit Schwertern ausgerüstete, von ihrer Ausbildung und Erfahrung her gewöhnliche Soldaten (z.B. römische Legionäre).

Die Abkürzung PIP bedeutet "Player Initiative Points", das sind die von den Generälen der verschiedenen Kommandos in jedem Spielzug ausgewürfelten Befehlspunkte, die für das Bewegen der Truppen ausgegeben werden dürfen.


Seleucid vs Phyrric
03.07.2022



Am 3. Juli diesen Jahres hatte Pyrrhos, König von Epirus, Abkömmling des Achilleus, verwandt mit Alexander dem Großen, eine folgenschwere Entscheidung zu treffen: Sollte er mit seiner 400 AP starken Invasionsarmee nach Westen oder nach Osten aufbrechen? Da im Westen, in Italien, vermutlich nur Pyrrhossiege auf ihn warten würden, entschied er sich, gen Osten aufzubrechen und in das ebenso mächtige wie große Seleukidenreich einzufallen. Als Reminiszenz an Italien führte er aber eine gehörige Anzahl italischer Söldnertruppen mit (Osker, Tarentiner, italische Hopliten). Es war an einem schönen Sommermorgen, als König Seleukos sich ihm mit seiner Armee entgegenstellte und eine aufregende und streckenweise ergebnisoffene Schlacht entbrannte.

(1)

(1) Arnim, gegen den ich noch nie zuvor gespielt hatte, übernahm die Rolle des Pyrrhos (in der nicht-brillanten Version), ich selbst schlüpfte in die Rolle von Seleukos. Da die Seleukiden die Verteidiger waren, durften sie mehr Gelände wählen, mussten ihre Armee aber als erste aufstellen. Ich legte einen großen Gentle Hill mittig in das seleukidische Aufmarschgebiet, zwei kleine Rough Hills links daneben, sowie einen mittelgroßen Rough Hill, der ganz weit hinten am Schlachtfeldrand der gegnerischen Seite landete. Arnim legte einen mittelgroßen Gentle Hill in seine rechte Aufmarschzone, ein weiterer Rough Hill landete in meiner Zone unweit der beiden schon liegenden Rough Hills und - unerwartet für die Seleukiden - ein Vineyard überlagerte schließlich den Südhang des großen Gentle Hills. Zudem legte Arnim eine Straße, die quer über das Schlachtfeld führte.

Die Seleukiden platzierten ihr Hauptkommando (Kommando 2), das aus 24 Abteilungen Phalanx, darunter die elitären Argyraspiden (Silberschilde), bestand, zentral auf dem großen Hügel. Flankiert wurden die Phalangiten rechts und links von leichteren Truppen (vor allem Kappadokier und Kreter, letztere im Vineyard). Der linke Flügel (Kommando 1), der hauptsächlich aus den ebenso schlagkräftigen wie geländefähigen Thorakitai, aber auch einigen schweren Gefährten-Reitern ("Companions") und leichten Beduinen-Kamelen bestand, bezog Stellung inmitten der Rough Hills. Auf dem rechten Flügel (Kommando 3) stand die Reiterei, die hauptsächlich aus schweren, teilweise gepanzerten Einheiten bestand, aber auch einige Plänkler-Fußtruppen.

Pyrrhos stellte seine gesamte Armee demgegenüber versetzt auf - der Schwerpunkt lag in der rechten Hälfte (von ihm aus gesehen) seiner Aufmarschzone. Ganz rechts außen, direkt gegenüber den Rough Hills, positionierte er Kommando 1, das hauptsächlich leichte und mittelschwere, geländefähige Truppen beinhaltete. Direkt angrenzend, vis-à-vis der Lücke zwischen dem Vineyard und dem vordersten der Rough Hills, marschierte das zentrale Kommando 2 auf, das aus einer großen (wenngleich numerisch wie qualitativ den seleukidischen unterlegenen) Menge an Phalangiten bestand. Mit einigem Abstand wurde das Reiterkommando 3 auf dem linken Flügel platziert, es bestand aus mittelschwerer griechischer Kavallerie und schwerer makedonischer Reiterei.

Die Generalität der Seleukiden wurde von dem Aufmarsch der gegnerischen Armee zum Teil auf dem falschen Fuß erwischt. Das mächtige Zentrum hatte praktisch keinen direkten Gegner, dafür sah sich der linke Flügel einer starken Übermacht gegenüber. Auf dem rechten Flügel war die Situation dagegen hoffnungsvoller, hier würde die überlegene seleukidische Reiterei wohl (scheinbar) leichteres Spiel haben. Demzufolge sollte das linke Kommando nur Verzögerungsoperationen ausführen, das zentrale Kommando in eine irgendwie geeignete Position manövriert werden, um zum Einsatz kommen zu können, und das rechte Kommando zum sofortigen Angriff nach vorne geschickt werden. Die PIP-Zuteilung folgte dieser Strategie: Kommando 1 bekam den niedrigsten PIP-Würfel zugewiesen, Kommando 2 den mittleren und Kommando 3 den höchsten.

(2)

(2) Trotz der defensiv angedachten Strategie auf dem linken Flügel ließ Seleukos dort die Thorakitai (Ax (S)) über den Kamm des Rough Hills vorrücken, damit sie in der erwarteten Attacke der gegnerischen Truppen den Defensivvorteil der Hügelstellung würden ausnutzen können. Besonders wagemutig stürmte die kleine Abteilung Beduinen-Kamele (LH (I)) über den linken Rough Hill dicht vor den gegnerischen Linien nach ganz links außen, mit dem Ziel, später die offene Flanke des Gegners bedrohen zu können. Die Gefährten (Kn (F)) zogen ebenfalls nach links.

Im Zentrum rückte die Phalanx leicht vor und schwenkte nach links ein, um die gegnerische Phalanx ins Visier nehmen zu können. Zur Unterstützung der linken Flanke des Zentrums wurden die Plänkler aus dem Kommando 3 von ganz rechts hinter dem Rücken der Phalanx vorbei in Richtung des Vineyards beordert - ein allzu weiter Weg, wie sich herausstellen sollte. Auf dem rechten Flügel stürmte die gesamte Reiterei nach vorne vor, die schweren Verbände in einer langen Kolonne weiter innen, die leichten Einheiten weiter außen. Und da ereignete sich auch schon der erste Rückschlag für die Seleukiden: Pyrrhos hatten einen Hinterhalt (Stratagem "Ambush"), bestehend aus leichter Reiterei, die sich hinter der Kuppe des Hügels verdeckt gehalten hatte, vorbereitet! So kam es, früher als erwartet, in dieser Phase bereits zu Feindkontakt, der sich für die leichten Reiter der Seleukiden, die rasch hart flankiert wurden, blutig entwickelte...

Ansonsten ließ Pyrrhos seine Armee in dieser Phase der Schlacht geordnet in Stellung bringen. Auf seinem rechten Flügel rückten die numerisch überlegenen Geländetruppen des Kommandos 1 in geschlossener Linie stetig in Richtung der Hügel vor. Die Phalanx folgte etwas verzögert nach; sie ignorierte ihre gegnerischen "Kollegen" auf dem Gentle Hill und war offenbar bestrebt, in die Lücke neben dem Vineyard vorzustoßen. Die Elefanten, die ja dem Kommando 1 auf dem rechten Flügel zugeordnet waren, machten sich auf den Weg in Richtung des linken Flügels, wo sie potentiell gegen die schweren Reiterverbände der Seleukiden würden Verwendung finden können. Auf seinem linken Flügel ließ Pyrrhos die schwere Reiterei (Kn (F)) auf dem Gentle Hill einschwenken. Lediglich die griechische Kavallerie (Cv (O)) blieb immobil, die seleukidische Phalanx der Seleukiden beäugend sowie gebührenden Abstand zur gefährlichen schweren seleukidischen Reiterei haltend.

(3)

(3) In der mittleren Phase der Schlacht gab es Ereignisse an allen Orten. Ganz links außen am Rand des äußersten Rough Hills haben die Beduinen-Kamele die leichten Fußtruppen des Gegners in Kämpfe verwickeln können, in denen die Beduinen zwar letztlich unterlagen, aber immerhin die Gelegenheit des harten Flankierens der gegnerischen Truppen ausnutzen konnten. Auf dem benachbarten, weiter gen Zentrum liegenden Rough Hill waren die seleukidischen Thorakitai dank einer hohen Kampfmoral (Würfelglück) überraschend erfolgreich und haben, trotz numerischer Unterlegenheit, den hügelaufwärts angreifenden gegnerischen Truppen hohe Verluste beschwert. Die Klärung dieses Hügels gestaltete sich insofern schwerer, als vermutlich von Pyrrhos erwartet. Seine Phalanx ließ Pyrrhos in nunmehr gestaffelter Formation weiter in die Lücke neben dem Vineyard vorrücken. Links unten operierte die Gefährten-Reiterei der Seleukiden etwas planlos, indem sie mit einer Kehrtwende wieder zurück nach rechts beordert wurden, ohne in dieser Phase einen geeigneten Gegner oder ein geeignetes Operationsziel ausfindig machen zu können.

Ähnlich erging es den Seleukiden im Zentrum: Auch hier mangelte es ihnen an einem unmittelbar erreichbaren Ziel. Die Phalanx rückte leicht vor, in Teilen den Hügel bereits verlassend. Die Plänkler im Vineyard positionierten sich in einer schrägen Linie, um sowohl die vorrückenden Phalanx-Kolonnen des Gegners bedrohen und zugleich die linke Flanke der eigenen Phalanx schützen zu können. Die Plänkler aus dem Kommando 3 haben endlich den Vineyard erreicht. Auf dem rechten Flügel konnte die leichte Reiterei der Seleukiden dem aus dem Hinterhalt resultierendem Angriff nicht standhalten und wurde vollständig vernichtet. Teile der schweren Reiterei hat Seleukos in einer Linie vor dem Hügel formiert - in ihrer rechten Flanke unterstützt von den Kappadokiern (Ax (O)), die vom Zentrum aus beordert wurden, die aus dem Verlust der leichten Reiterei resultierende Lücke zu schließen, damit die Reiterei nicht von rechts her ausflankiert werden kann. Ein anderer Teil der schweren Reiterei der Seleukiden stößt Richtung Zentrum vor, direkt vor dem rechten Teil der eigenen Phalanx operierend, die griechische Kavallerie (Cv (O)) ins Visier nehmend.

Genau diese Kavallerie wird von Pyrrhos in einem klugen Schachzug um 180° geschwenkt und zurückgezogen. Gleichzeitig haben sich am oberen Schlachtfeldrand die Elefanten, geschirmt von einer vorgelagerten Plänkler-Linie, in Stellung gebracht. Auf dem Hügelkamm hat Pyrrhos die schwere Reiterei in Linie formiert.

(4)

(4) In dieser Phase der Schlacht musste sich das linke Kommando der Seleukiden auf dem Rough Hill schließlich geschlagen geben, da auch die gegnerische Phalanx mit Flankenattacken an den Kämpfen beteiligt war. Das Kommando ist gebrochen; der zugehörige schwere Reiterverband ist am unteren Schlachtfeldrand zum Stillstand gekommen (blauer Kreis). Zum Stillstand gekommen sind auch die seleukidischen Einheiten im Vineyard - die Plänkler aus dem rechten Kommando, die soeben erst angekommen waren, weil sie außerhalb der Kommandoreichweite ihres Befehlshabers standen, die übrigen Plänkler, weil alle verfügbaren PIPs für die Phalanx, konkreter die Argyraspiden unter ihnen, verwendet wurden: Diese sahen, nachdem sie das Hindernis des Vineyards passiert hatten, endlich die Möglichkeit zum Angriff auf die gegnerische Phalanx, die zu diesem Zeitpunkt noch drauf und dran war, in die Lücke neben dem Vineyard vorzudringen. Dazu wurden die Argyraspiden in einzelnen Kolonnen nach links eingeschwenkt. Pyrrhos indessen reagierte auf dieses Manöver, indem er Teile seiner Phalanx eine Kehrtwende vollziehen ließ und somit aus der Lücke wieder zurückzog.

Auf dem rechten Flügel versuchte Seleukos, seine schwere Reiterei gegenüber der auf dem Hügel platzierten gegnerischen schweren Reiterei in eine bessere Position zu bringen; dies erfolgte durch kostspielige Einzelbewegungen. Letztere - die schwere Reiterei von Pyrrhos - verharrte einstweilen noch unbewegt auf dem Hügel. Weiter im Zentrum rückte die seleukidische Reiterei weiter vor in Richtung der gegnerischen griechischen Kavallerie, welche sich nach einer abermaligen Kehrtwende im rückwärtigen Raum neu formierte. Zugleich ließ Pyrrhos seine Elefanten stetig vorrücken - eine potentiell gefährliche Situation für die schwere Reiterei der Seleukiden, die fahrlässig nahe an den vorrückenden Elefanten operierten.

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(5) Die letzte Phase der Schlacht. Während am unteren Schlachtfeldrand die Reste des gebrochenen seleukidischen Kommandos 1 fliehen, hat Pyrrhos die eine Hälfte seiner Phalanx mit einem Rechtsschwenk gegen die nach links ausgerichtete Phalanx der Seleukiden in Stellung gebracht. Ein anderer Teil seiner Phalanx ist zwar bereits reorganisiert, steht aber mit Blickrichtung nach unten nach wie vor in der Lücke neben dem Vineyard. Die Phalanx der Seleukiden ist zu diesem Zeitpunkt ebenfalls zweigeteilt: Während der linke Teil (die Argyraspiden) bereit ist, nach links gegen die gegnerische Phalanx zu ziehen, rückt der rechte Teil geradeaus nach vorne vor, wo eine der beiden Reiterschlachten tobt.

Leider kommen alle diese Manöver zu spät, denn die Entscheidung fällt in den Reiterkämpfen. Ganz rechts hat Pyrrhos seiner Reiterlinie schlussendlich den Angriffsbefehl erteilt. Obwohl diese in der Attacke vom Hügel herab einen Vorteil genießen (hier hatte Seleukos seine Linie zu weit vor dem Hügel positioniert; andererseits wollte er dem Gegner aber dort auch nicht zu viel Raum lassen, damit dieser nicht verleitet würde, nach links gegen die offene Flanke der Phalanx zu ziehen), schlagen sich die Seleukidenreiter ausgezeichnet und fügen dem Gegner höhere Verluste zu, als sie selbst erleiden. Der Reiterkampf neben dem Hügel, Richtung Zentrum, hingegen verläuft für die Seleukiden katastrophal: Pyrrhos gelingt es, seine Elefanten gegen Teile der schweren seleukidischen Reitereinheiten zu ziehen, die diesen Angriffen nicht standhalten können. Gleichzeitig gelingt es den seleukidischen Reitern auch nicht, signifikante Erfolge gegen die griechische Kavallerie zu erzielen, die endlich in Reichweite gekommen ist. Die Verluste summieren sich. Das Reiterkommando 3 bricht schließlich, wodurch in der Folge die gesamte Armee der Seleukiden zusammenbricht.

Es war eine sehr spannende und nervenaufreibende Partie. Gegen Arnim hatte ich, wie gesagt, noch nie gespielt; er ist schon ein gewiefter General. Für meine Seleukiden war es der dritte Kampfeinsatz, und es ist mir immer noch nicht gelungen, meine Hauptstreitmacht, die Phalanx, effektiv einzusetzen. Die Aufstellung von Arnim, der seine Armee als zweiter aufstellen durfte, hat meine Schlagkraft wirkungsvoll neutralisiert. Ich hätte die Phalanx früher vom Hügel hinunterziehen und in die Schlacht schicken müssen... Mir fehlt es aber leider noch an Übung in der Kommandierung solch großer Verbände; ich war zu sehr auf den Flankenschutz bedacht und agierte deshalb zu vorsichtig.

Aber was soll's... Die Phalanx hat die Schlacht überlebt und das Seleukidenreich ist groß. Eine neue Armee wird eine neue Entscheidung bringen. War es also am Ende vielleicht doch nur ein Pyrrhossieg...?    


Italian Condotta (Venetian) vs Islamic Berber
16.04.2022

Nachdem meine spätmittelalterlichen Venezianer Mitte Februar einen triumphalen Sieg über Guidos ägyptische Fatimiden errungen hatten, traten sie knapp zwei Monate später, am Ostersamstag, gegen Guidos islamische Berber an. Es war, wie im Februar, eine 400AP-Schlacht. Ich war verständlicherweise hoch motiviert ⁣   

(1)

(1) Erwartungsgemäß waren die Venezianer aufgrund ihrer niedrigen Aggressionsrate die Verteidiger, es wurde also auf italienischem Boden gekämpft. Um meine Flanken zu schützen, wählte ich viel schweres Gelände, das wunschgemäß in der venezianischen Aufstellungszone gelegt werden konnte. Guido wählte ebenfalls schweres Gelände, aber in der minimal erlaubten Größe, um seine Aufstellungszone so offen wie möglich zu halten.

Die Venezianer mussten ihre Armee, die exakt identisch mit derjenigen der Schlacht vom Februar gegen die Fatimiden war, als Erste aufstellen. Ich positionierte das Ritter-, das Pikenier- und das demgegenüber schwächere "Hilfs"-Kommando nebeneinander, so weit am vorderen Rand der venezianischen Aufstellungszone wie möglich. (Die Bauern-Horden aus dem Kommando 3 stellte ich ganz nach rechts außen bzw. am unteren Rand des bewaldeten Hügels mit der Hoffnung, dass sie gegnerische Marschbewegungen unterbinden würden und sich somit trotz ihrer geringen Kampfkraft und Beweglichkeit endlich einmal nützlich für die Armee machen konnten.) Das Stradioten-Kommando bezog im Rücken der Ritter und Pikeniere Aufstellung, um flexibel sowohl auf dem linken wie auf dem rechten Flügel eingesetzt werden zu können. Alle Flanken der venezianischen Armee waren zu Schlachtbeginn somit optimal geschützt.

Guido stellte seine Berber, die ebenfalls aus vier Kommandos bestanden, in einer langen Schlachtreihe auf, welche die direkt gegenüber stehende venezianische Armee rechts und links um einiges in der Breite überflügelte. Zwei berittene Kommandos nahmen hinter der Hauptlinie in zweiter Reihe Aufstellung. Die Armee der Berber bestand überwiegend aus Speerträgern, die wahlweise von Leichtbewaffneten unterstützt werden können, sowie aus leichter Reiterei, aber auch aus einigen gepanzerten Reitern (Kn (F)).

Die venezianische Generalität war sowohl mit der topografischen Beschaffenheit des Schlachtfelds als auch mit der Positionierung der gegnerischen Armee zufrieden. Ihr Plan war wieder einmal simpel: Mit den Rittern (Kommando 1) und den Pikenieren (Kommando 2) so schnell wie möglich vorstürmen und attackieren (diese beiden Kommandos würden ihre inneren Flanken gegenseitig decken); das schwache Kommando 3 auf dem rechten Flügel, das in erster Linie zum Schutz der rechten Flanke des Pikenkommandos vorgesehen war, sollten etwas weiter zurückgehalten und die Stradioten (Kommando 4) weit nach links entsendet werden, damit sie die linke Flanke des Ritterkommandos schützen. Demgemäß wurde Kommando 2 der höchste, Kommando 1 der mittlere und Kommando 3 der niedrigste PIP zugeteilt (Kommando 4 hatte als Söldnerverband einen unabhängigen PIP).

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(2) Die Venezianer eröffneten die Schlacht mit ihrem ersten Zug maximal aggressiv, womit sie den Oberbefehlshaber der Berber - nach eigener Aussage nach geschlagener Schlacht - gehörig überraschten. Ein ausreichend hoher PIP-Wurf begünstigte, dass sich zu Beginn alles planmäßig entwickelte: Die Ritter stürmten im geschlossenen Verband weit vor, die Pikenträger - als Fußtruppen naturgemäß etwas langsamer - ebenso. Aus dem Kommando 3 gingen die leichte Reiterei und eine Abteilung Bauern-Horden ebenfalls nach vorne (dem Plan gemäß mit weniger Elan), während die Javelinmen (Ax (O)) vorerst ihre Stellung auf dem bewaldeten Hügel hielten. Die Stradioten, ebenfalls von hohen PIPs begünstigt, zogen in einem weiten Bogen nach links in die Lücke zwischen dem großen und dem kleinen Sumpf.

Die Berber-Speerträger, die den venezianischen Rittern direkt gegenüber positioniert waren, kamen ihren Kontrahenten in ihrem Zug sogar noch entgegen - die Venezianer frohlockten! Die linke Flanke (hier und im Folgenden aus der Blickrichtung der Venezianer) dieses Kommandos wurde durch Plänkler, die sich zwischen ihren Kollegen am äußersten linken Ende der Schlachtlinie und dem kleinen Sumpf positionierten, gut geschützt. Die leichte Reiterei, die hinter dem linken Speerträger-Kommando platziert war, rückte in einer langen Kolonne in Richtung des Schlachtfeldrands vor - eine gefährliche Bedrohung für die linke Flanke der venezianischen Armee, da die leichte Reiterei der Berber hier gegenüber den diese Flanke absichernden Stradioten eine numerische Überlegenheit von 2:1 hatten. Da die Lücke zwischen den Sümpfen recht eng war, hoffte die venezianische Generalität indes darauf, dass die leichte Berberreiterei diese Überlegenheit nicht effektiv würde ausspielen können. Die Speerkämpfer der Berber aus dem Kommando 2, die den venezianischen Pikenträgern gegenüber standen, hielten ihre Stellung und rückten nicht vor - eine kluge Entscheidung des Berber-Generals, da die Sp (I) den vierfach gestaffelten venezianischen Pk (O) chancenmäßig unterlegen sind. Dafür rückten die anderen Einheiten aus diesem Kommando (die leichte Reiterei und die Plänkler) sowie die Panzerreiter aus dem dahinter platzierten Kommando 4 geradlinig gegen die Venezianer auf dem rechten Flügel vor. Eine kleine Abteilung Plänkler ganz außen stieß dabei weiter als der Rest ihrer Kameraden vor, bereit, die Venezianer auszuflankieren.

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(3) In dieser Phase der Schlacht waren die beiden Armeen praktisch auf voller Breite zusammengestoßen, es kam überall zu Nahkämpfen. Am heftigsten tobten die Kämpfe der venezianischen Ritter gegen die Speerträger der Berber; diese Attacke war noch verheerender, als erhofft - die Speerträger wurden zurückgedrängt und erlitten erste Verluste. Links von den Rittern waren die venezianischen Stradioten in verzweifelte, aber tapfere Kämpfe sowohl gegen die Plänkler der Berber, welche die linke Flanke ihrer Speerträgerkameraden schützten, als auch in Kämpfe gegen Verbände leichter Reiterei der Berber verwickelt. Die Stradioten mussten empfindliche Verluste hinnehmen; die Überlebenden Einheiten standen in dieser Phase der Schlacht voneinander isoliert an verschiedenen Orten (blaue Kreise). Aber sie erfüllten ihre Aufgabe vorbildlich, zumal die Berber ihre leichte Reiterei nicht, wie wohl anfänglich geplant, komplett um den kleinen Sumpf herum gegen die linke Flanke der Venezianer schickten, sondern mehr als die Hälfte der Einheiten um 180° wendeten und in den Rücken der eigenen Speerkämpfer schickten.

In der rechten Hälfte des Schlachtfelds kamen die venezianischen Pikeniere nicht so schnell voran, wie geplant, da sie von einzelnen, von den Berbern wirkungsvoll platzierten Plänkler-Abteilungen aufgehalten wurden (rote 1). Die rechte Flanke der Pikeniere wurde unterdessen von Plänklern der Berber sowie einschwenkenden leichten Reitern attackiert, aber den Venezianern gelang es, mit einigen abkommandierten Pikenträgern sowie den dort stehenden leichten Bogenschützen (Ps (O)) dagegen zu halten, so dass die Haupstreitmacht der Pikeniere ungefährdet blieb (blaue 1). Weiter rechts haben die Kampfhandlungen ebenfalls begonnen, nachdem alle Verbände der Venezianer den bewaldeten Hügel verlassen hatten. An dieser Stelle waren die Kontrahenten in dieser Phase der Schlacht erst noch dabei, sich zu formieren. Für die Venezianer war die Lage hier kritisch, da sie sowohl qualitativ wie quantitativ deutlich unterlegen waren. Die Entscheidung, ungeachtet dessen die sichere Hügelposition zu verlassen, mag sicherlich fragwürdig erscheinen - die Gefahr, dass die leichte Reiterei der Berber ungehindert in den Rücken der gesamten venezianischen Armee gelangt, rechtfertigte in den Augen der venezianischen Generalität aber dieses Manöver.

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(4) Mit fortschreitender Schlacht spitzte sich die Lage für die Berber dramatisch zu: Die venezianischen Ritter waren überdurchschnittlich erfolgreich in ihren fortgesetzten Attacken und brachen schließlich das Speerträger-Kommando (Kommando 1) der Berber; man sieht die Reste dieses Kommandos noch in Richtung des rückwärtigen Gebietes fliehen. Kurz zuvor bereits war leider auch das venezianische Stradioten-Kommando gebrochen; auch dessen letzte Reste fliehen gerade vom Schlachtfeld weg. Die leichte Reiterei auf dem linken Flügel der Berber war demgegenüber noch weitgehend intakt, aber ihre Einheiten standen sehr vereinzelt über einen großen Bereich verteilt und mussten sich erst einmal sammeln (großer roter Kreis links).

In der rechten Schlachtfeldhälfte haben es die venezianischen Pikeniere endlich geschafft, die Plänkler der Berber aus dem Weg zu räumen und die Speerkämpfer anzugreifen. Der Angriff der Pikeniere, die überwiegend vierfach gestaffelt sind, entwickelte sich verheerend für die Berber. Die rechte Flanke der Pikeniere war nach wie vor gefährdet, aber einzelne abkommandierte und geschickt positionierte Pikenträger verteidigten sie erfolgreich gegen die Attacken der Berber (blauer Kreis). Für das venezianische Kommando 3 ganz rechts sah es dagegen schlecht aus: Es konnte den konzertierten Angriffen der leichten Reiterei und der gepanzerten Reiter nicht lange standhalten und brach schließlich. Dies war leider zu erwarten, aber zumindest haben die Truppen ihre Aufgabe an dieser Stelle gut erfüllt - zumal den Berbern für ihr überaus großes Kommando 2 kaum jemals ausreichend PIPs zur Verfügung standen, so dass Teile dieses Kommandos noch nicht einmal an den Kämpfen teilnehmen konnten (roter Kreis rechts).

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(5) Die Endphase - das Schlachtfeld hat sich erschreckend geleert. In der linken Hälfte waren fast alle venezianischen Ritter ungestüm nach dem Brechen des Speerträger-Kommandos der Berber vorgestürmt, nachdem ausgerechnet in der auf das Brechen des Kommandos folgenden Runde von den Venezianern der niedrigste PIP-Wurf der gesamten Schlacht gewürfelt wurde! Eigentlich war geplant, einen Teil der Ritter organisiert in den Rücken der Berber-Truppen in die rechte Schlachtfeldhälfte zu führen, aber nun konnten sie nicht mehr effektiv kommandiert werden und suchten ihre Ziele eigenmächtig. Am oberen Rand des Schlachtfelds haben einige Ritter das Lager der Berber erreicht und bereits dezimiert. Kurz zuvor litten viele der Ritter unter heftigen Attacken der noch weitgehend intakten leichten Reiterei der Berber, denen es sogar gelang, einigen Rittern in den Rücken zu fallen. Aber sie haben sich heldenhaft gewehrt, so dass das Ritterkommando (knapp) davor bewahrt wurde, zu brechen! Von den anfänglich zwölf Ritter-Einheiten haben sieben Einheiten (inklusive der General) überlebt, die in der Endphase sehr verteilt in der linken Schlachtfeldhälfte positioniert waren (blaue Nummerierung 1 bis 7).

In der rechten Hälfte setzten sich die venezianischen Pikeniere gegen die Speerträger der Berber erfolgreich durch, auch wenn die rechte Flanke des Piken-Kommandos weiterhin unter fortgesetzten Attacken der Berber stand. Letzteren gelang es jedoch weiterhin nicht, den Pikenieren hier entscheidend zuzusetzen. Gegen den bevorstehenden Angriff der leichten Reiterei sowie der Panzerreiter der Berber, die langsam, aber entschlossen in den rückwärtigen Bereich des Piken-Kommandos vordrangen, formierten sich einzelne Pikenträger-Einheiten in einer nach außen gerichteten Defensivposition (geschwungene blaue Linie).

Jeglicher Versuch der Berber kam indessen zu spät: Ihre gesamte Armee brach schließlich zusammen infolge des venezianischen Angriffs gegen das Lager sowie des gleichzeitigen Vordringens der Pikeniere gegen die Speerkämpfer. Das Endergebnis betrug, die blutigen und verlustreichen Kämpfe widerspiegelnd, 16:9 VP für die Serenissima Repubblica di San Marco (vulgo: Venedig).

Die Schlacht war streckenweise nervenaufreibend, hat aber in jeder Phase viel Spaß gemacht! Sie hat sich - was selten bei mir vorkommt - im Prinzip in fast jeder dieser Phasen planmäßig entwickelt. Das nötige Würfelglück war oftmals auch vorhanden, aber auch nicht allzu unausgeglichen zwischen den Kontrahenten. Ich war zufrieden mit meiner aggressiven Vorgehensweise, die ich mehr oder weniger die ganze Schlacht über durchgehalten habe. Natürlich barg der Angriff der Ritter auf die doppelt unterstützten Speerträger (Sp (O) + Sp (O) + Ps (O)) ein gewisses Risiko in sich (die venezianische Generalität hatte die Kampfchancen vor der Schlacht exakt berechnet), aber es war ein Risiko, das es wert war, eingegangen zu werden, um die Ritter optimal und ohne zeitintensive Manöverbewegungen zum Einsatz zu bringen.

Die Venezianer, mit denen ich anfänglich gewisse Schwierigkeiten hatte (in 240AP-Partien; siehe z.B. hier) und die auch von einigen Spielerfreunden als eher schwach eingeschätzt wurden, entwickeln sich nach den beiden Schlachten gegen die Fatimiden und Berber, die zu den strategisch und taktisch erfolgreichsten, die ich bisher geschlagen habe, gehören, zu einer vielversprechenden Armee mit viel Potential und einem hohen Spaßfaktor. Ich freue mich auf mehr Einsätze im Felde!

Wen es interessiert: Auf der (englischsprachigen) Website des italienischen DBMM-Spielers Lorenzo Mele gibt es einen empfehlenswerten Bericht über eine Schlacht mit ähnlicher Konstellation - die venezianische Armee ist etwas anders zusammengesetzt (mit Arkebusieren), trägt aber auch dort den Sieg über die Berber davon!


Early Byzantine vs Italian Ostrogothic
31.03.2022

Am 31.03.2022 trafen meine frühen Byzantiner erneut auf Rainers italienische Ostgoten. Es war zugleich die Runde 2 der mit einer Armeegröße von 240 Punkten ausgetragenen DBMM-Minikampagne "Kampf um Rom". In der ersten Schlacht hatten die Byzantiner noch den Kürzeren gezogen, aber inzwischen schreiben wir das Jahr 540 n. Chr. und die Würfel werden, im wahrsten Sinne des Wortes, neu geworfen... Es war dieses Mal eine vergleichsweise kurze Schlacht, die nur fünf Runden (mit jeweils zwei Spielzügen) dauerte. Laut Regelwerk symbolisieren zwei Spielzüge ca. 20 Minuten in Echtzeit, so dass diese Schlacht in Realität nur etwas mehr als eineinhalb Stunden gedauert hätte. An ihrem Ende, soviel sei vorweggenommen, haben die Byzantiner einen totalen Sieg über die Ostgoten erringen können.

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(1) Die Byzantiner waren die Angreifer und wählten die (laut Armeeliste obligatorische) Straße sowie zwei kleine, mit Buschwerk bewachsene Hügel, von denen einer wunschgemäß in der eigenen Aufstellungszone gelegt werden konnte, während der zweite in derjenigen der Ostgoten landete und deshalb ganz weit außen gelegt wurde, damit die Ostgoten keinen Nutzen daraus ziehen können. Die Ostgoten waren die Verteidiger. Sie nutzten ihr maximales Limit für die Anzahl an Geländestücken nicht vollständig aus, sondern beschränkten sich auf einen kleinen, mit Buschwerk bewachsenen Hügel, der nicht wunschgemäß in der eigenen Aufmarschzone, sondern ebenfalls in der byzantinischen Aufmarschzone gelegt werden musste. Zwei kleine unbewachsene, leichte Hügel, die ebenfalls in der byzantinischen Zone hätten gelegt werden müssen, konnten aus Platzgründen nicht gelegt werden. Das Schlachtfeld war insofern auf der ostgotischen Seite mehr oder weniger komplett geländefrei, was den Verlauf der Schlacht entscheidend beeinflussen sollte.

Obwohl die Byzantiner die Angreifer waren, mussten sie ihre Armee, die ganz überwiegend aus regulären Truppen bestand, dennoch zuerst aufstellen. Sie positionierten ihre drei Kommandos nebeneinander, über praktisch die gesamte Breite ihres Aufstellungsgebiets verteilt: Der linke Flügel, Kommando 1, enthielt die Kavallarioi (LH (S)) sowie eine kleine Abteilung Bogenschützen (Bw (I)), welche auf dem linken der beiden kleinen Hügel Aufstellung nahm. Das zentrale Kommando 2 stand ein wenig nach hinten versetzt; es beinhaltete die Hauptkämpfer der Byzantiner, die elitären Boukellarioi (Cv (S)) sowie, ihnen vorangestellt, ebenfalls einige Kavallarioi. Das rechte Kommando 3 bestand überwiegend aus Fußtruppen: Die Skoutatoi (Bd (I)) und einige Psiloi (Ps (O) und (S)) bezogen auf dem Hügel Stellung, eine kleine Einheit berittener maurischer Symmachoi (LH (O)) nahm links vom Hügel Aufstellung.

Anschließend stellten die Ostgoten ihre Armee auf, die ebenfalls aus drei Kommandos bestand, aber ausschließlich irreguläre Truppen beinhaltete. Sie stellten ihre Armee recht schmal auf: Zwei Kommandos platzierten sich nebeneinander, wobei Kommando 1 mit den schweren, teilweise gepanzerten Reitern die gefährliche Hauptstreitmacht der Ostgoten enthielt, während Kommando 2 von einem burgundischen Alliierten gestellt wurde, der eine große Menge Fußtruppenkämpfer mitführte, begleitet von einigen Einheiten Kavallerie. Hinter den beiden vorderen Kommandos positionierten die Ostgoten ein kleineres Kommando als Reserve, das überwiegend aus leichter Reiterei, leichtbewaffneten Plänklern, aber auch ein paar wenigen Abteilungen schwerer Reiter bestand.

Angesichts dieser Konstellation war der Plan der byzantinischen Generalität simpel: Die Kavallarioi ganz links sollten der ostgotischen Armee mit einem weit ausgeholten Rechtsschwenk in die Flanke fallen. Bis dahin sollte das Zentrum ein Aufeinandertreffen hinauszögern, damit der Schlag gegen die ostgotische berittene Hauptstreitmacht konzertiert und effizient geführt werden würde. Der rechte Flügel sollte erst einmal nicht aktiv in den Kampf eingreifen, da die gegenüber positionierten burgundischen Fußkämpfer ein zu mächtiger Gegner für die zahlenmäßig unterlegene byzantinische Infanterie war. Demgemäß wurde Kommando 1 der höchste PIP-Würfel zugewiesen, Kommando 2 der mittlere und Kommando 3 der niedrigste.

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(2) Die Byzantiner hatten den ersten Zug und eröffneten die Schlacht. Sie führten den Plan der Generalität vorbildlich aus, unterstützt von PIP-Würfeln in ausreichender Höhe: Die Kavallarioi links außen stürmten nach vorne, schwenkten nach rechts und nahmen ihre vorgesehene Angriffsposition in zwei benachbarten Linien ein. Die Bogenschützen aus demselben Kommando verließen den Hügel, um in Schussreichweite zu den ostgotischen Truppen zu gelangen. Während das Zentrum nur ganz leicht vorrückte sowie die Skoutatoi auf dem rechten Hügel ihre Stellung hielten - beides plangemäß -, wurden die Plänkler ganz rechts außen mutig (oder verwegen?) nach vorne geschickt, um die Ostgoten in ihrer Flanke zu bedrohen bzw. sie zumindest zu einer kostenintensiven Gegenaktion zu zwingen. Eine riskante Aktion, da die byzantinischen Plänkler es vermutlich mit der burgundischen Kavallerie zu tun bekommen würden, die auf der Außenposition der ostgotischen Armee positioniert war.

Die Ostgoten reagierten auf die Manöver der Byzantiner, indem sie die leichte Reiterei aus ihrem Reservekommando nach links (hier und im folgenden aus Blickrichtung der Byzantiner) abzogen, um sie gegen die Flankenbedrohung durch die byzantinischen Kavallarioi Aufstellung beziehen zu lassen. Auch einige schwere Reiter aus dem Kommando 1 wurden zu diesem Zweck abgezogen und positionierten sich mit Ausrichtung nach links. Der Rest des infolgedessen minimierten Kommandos 1 ritt direkt geradewegs nach vorne, auf das zentrale Kommando der Byzantiner zu. Die burgundischen Alliierten erwiesen sich als zuverlässig und konnten aktiviert werden. Die burgundischen Fußtruppen marschierten ebenfalls strikt nach vorne, auf die Skoutatoi der Byzantiner zu, während die burgundische Kavallerie den byzantinischen Plänkler entgegen geschickt wurde. Die Plänkler würden vermutlich nicht lange durchhalten - dennoch entwickelte sich alles plangemäß in den Augen der byzantinischen Generalität.

(3)

(3) In dieser Phase der Schlacht entbrannten heftige Kämpfe in der gesamten linken Schlachtfeldhälfte, nachdem die byzantinischen Verbände leichter Reiterei, die Kavallarioi, dort auf ganzer Linie attackierten. Die Verluste auf Seiten der Ostgoten summierten sich in beträchtliche Höhen, da es den byzantinischen Reitern gleich an mehreren Stellen gelang, die ostgotischen Reiter hart zu flankieren. Die byzantinischen Bogenschützen (blaues Oval) erwiesen sich demgegenüber als nicht ganz so erfolgreich, konnten einzelne ostgotische Reitereinheiten aber zumindest stellenweise zurückdrängen. Gegen die auf dem rechten Flügel stetig vorrückenden burgundischen Fußtruppen schickten die Byzantiner lediglich eine einzelne Abteilung maurischer Symmachoi, denen es tatsächlich gelang, eine Kolonne der Burgunder zurückzudrängen. Ganz rechts war die Situation für die byzantinischen Plänkler - wie leider zu erwarten war - überaus prekär: Sie wurden nach und nach von der burgundischen Kavallerie, die den Plänklern teilweise in den Rücken fallen konnte, dezimiert. Aber diese Scharmützel auf dem rechten Flügel waren nebensächlich - die Schlacht war zu diesem Zeitpunkt faktisch bereits entschieden, weil das Hauptkommando der Ostgoten mit seiner schweren, teilweise gepanzerten Reiterei bereits so stark dezimiert war, dass es kurz vorm Zusammenbruch stand - ohne dass für die Ostgoten Hoffnung auf eine erfolgreiche Gegenoffensive an anderer Stelle bestand. Und die byzantinische Elitereiterei, die Boukellarioi, hatten zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal in die Kämpfe eingegriffen, sondern standen immer noch in Bereitschaft unweit ihrer Ausgangsposition (blaue Linie)!

(4)

(4) Die Endphase der Schlacht. Das Hauptkommando der Ostgoten mit der schweren Reiterei wurde von der byzantinischen leichten Reiterei fortdauernd attackiert, mit harten Flankierungen an vielen Stellen, und ist schließlich vollständig zusammengebrochen! Die Verbände wurden entweder an Ort und Stelle vernichtet oder mussten fliehen (wie mittig zu sehen). Ganz oben links setzten die Byzantiner ihre Kämpfe gegen Teile des ostgotischen Reservekommandos noch fort, das aber auch nach und nach dezimiert wurde. Der große Verband der ostgotischen Leichtbewaffneten, der bisher noch nicht an der Schlacht beteiligt war, setzte geschlossen zu einem großen Linksschwenk an, der aber zu spät kam. Auch die burgundischen Fußtruppenkämpfer rückten weiter vor und haben die auf dem Hügel positionierte byzantinische Infanterie sowie die beiden vereinzelten maurischen Symmachoi beinahe erreicht, aber auch dies erfolgte nicht mehr rechtzeitig genug, um einen Beitrag zum Ausgang dieser Schlacht zu leisten. Auch deshalb behielt die byzantinische Generalität an dieser Stelle einen kühlen Kopf und zog gar nicht erst in Erwägung, ihre Truppen noch woanders hin zu beordern. Ganz rechts wurden alle byzantinischen Plänkler ausgelöscht (blaues Oval), aber sie haben ihre Aufgabe, die Kavallerie des burgundischen Alliierten zu beschäftigen, bis zum Ende erfüllt. - Denn es war tatsächlich das Ende der Schlacht: Die Ostgoten waren ganze 2 ME vom Brechen ihrer Gesamtarmee entfernt und haben in dieser Situation aufgegeben, da die Byzantiner in der darauf folgenden Runde mehr als eine Chance gehabt hätten, ostgotische Truppen zu eliminieren.

Es war von Beginn an ein einseitiger Kampf - gegen die bewegliche byzantinische Reiterei waren die Ostgoten bei der vorliegenden Geländekonstellation recht chancenlos. Sie hatten Pech beim Legen des Geländes, haben ihre maximal erlaubte Geländemenge allerdings auch nicht voll ausgeschöpft, so dass sie ihre Chancen auf hilfreiches Gelände nicht ausreichend optimiert haben. Bei einem großen Areal schweren Geländes als Flankenschutz, z.B. einem Sumpf, auf mindestens einem der beiden Flügel der Ostgoten wäre die Schlacht gänzlich anders verlaufen. Bei der nächsten Begegnung, die natürlich wieder im Rahmen der Minikampagne "Kampf um Rom" ausgefochten werden wird, werden die Byzantiner sicherlich nicht mehr so leichtes Spiel haben! In diesem Spiel war es ein totaler Vernichtungssieg von 25:0 VP, der auf Seiten der Byzantiner fast ausschließlich den hervorragenden Kavallarioi (LH (S)) zu verdanken war.


Early Byzantine vs Italian Ostrogothic
25.02.2022

Am 25.02.2022 trafen meine frühen Byzantiner und Rainers italienische Ostgoten in einer historisch akkuraten Begegnung aufeinander, die zugleich die mit einer Armeegröße von 240 Punkten ausgetragene DBMM-Minikampagne "Kampf um Rom" eröffnete. Wir schreiben also das Jahr 535 n. Chr.

(1)

(1) Die Byzantiner waren erwartungsgemäß (Aggression 3) die Angreifer, die Ostgoten (Aggression 0) die Verteidiger. Letztere wählten einen mittelgroßen leichten Hügel, der in ihrem rechten Aufmarschgebiet gelegt wurde, sowie einen kleinen Sumpf, der mittig am linken (von den Ostgoten aus gesehenen) Schlachtfeldrand landete. Weitere von den Ostgoten gewählte Geländestücke konnten aus Platzgründen nicht gelegt werden. Die Byzantiner wählten die (laut Armeeliste obligatorische) Straße sowie zwei kleine, mit Buschwerk bewachsene Hügel, die beide in der eigenen Aufmarschzone gelegt werden konnten.

Die Ostgoten mussten ihre Armee als Erste aufstellen. Sie positionierten ihre drei Kommandos nebeneinander mit Schwergewicht auf die rechte Seite ihres Aufmarschgebiets, wobei der Hauptteil ihrer Armee auf dem Hügel stand. Die Ostgoten führten hauptsächlich irreguläre gepanzerte Reiter ins Feld, außerdem eine große Zahl irregulärer Speerkämpfer und eine nicht zu unterschätzende Anzahl irregulärer Bogenschützen. Die Byzantiner konzentrierten ihre aus überwiegend regulären Truppen bestehende Armee, der Geländesituation Rechnung tragend, dagegen in der rechten Hälfte ihres Aufmarschgebiets. Sie platzierten ihre drei Kommandos ebenfalls nebeneinander: Der linke Flügel, Kommando 1, enthielt die Kavallarioi (LH (S)) sowie isaurische Plänkler (Ps (S)), welche, die linke Flanke absichernd, auf dem kleinen Hügel Stellung bezogen. Das zentrale Kommando 2 enthielt die Hauptkämpfer der Byzantiner, die elitären Boukellarioi (Cv (S)) sowie ebenfalls einige Kavallarioi. Rechts stand das Kommando 3, das überwiegend aus Fußtruppen bestand - die Skoutatoi (Bd (I)), Isaurer (Ax (I)) und Psiloi (Ps (O)), aber auch, auf der Außenposition des rechten Flügels, einige wenige berittene maurische Symmachoi (LH (O)).

Die byzantinische Generalität hatte nicht wirklich einen ausformulierten Plan, außer demjenigen, die schwerfällige, irreguläre Armee der Ostgoten möglichst geschickt auszumanövrieren und auf Gelegenheiten zur Attacke von günstigen Positionen aus zu hoffen. Es hing somit vieles, wenn nicht alles, von der Bewegung der ostgotischen Truppen, die den ersten Zug hatten, ab...

(2)

(2) Die Ostgoten eröffneten die Schlacht mit einem großangelegten Rechtsschwenk (aus der Blickrichtung der Byzantiner) praktisch ihrer gesamten Armee, was ihnen durch einen hohen PIP-Wurf problemlos gelang. Eine kleine Abteilung leichter Reiter machte sich gleichzeitig in Richtung der byzantinischen linken Flanke auf den Weg. Die Byzantiner litten in ihrem allerersten Zug unglücklicherweise unter einem sehr niedrigen PIP-Wurf (2-2-2). Sie eruierten kurz, auf den Rechtsschwenk der Ostgoten mit einer Verlagerung mindestens ihrer berittenen Kommandos 1 und 2 in die linke Schlachtfeldhälfte, also um den linken kleinen Hügel herum, zu reagieren, um die Ostgoten bestenfalls in der Flanke oder im Rücken zu treffen (mindestens aber zu kostspieligen reaktiven Manövern zu zwingen). Der niedrige PIP-Wurf ließ aber letztlich diese aufwändigen Bewegungen (inklusive 180-Grad-Drehungen) als nicht durchführbar erscheinen, da der Vormarsch der eigenen Truppen nicht rasch genug zu bewerkstelligen wäre. Stattdessen entschied sich die byzantinische Generalität, die Truppen nach vorne zu schicken, um günstige Positionen für eine frontale Konfrontation mit den Ostgoten einnehmen zu können. Die leichte Reiterei des Kommandos 1 sollte es mit den ostgotischen Panzerreitern aufnehmen, die Boukellarioi des Kommandos 2 sollte die Speerträger in Schach halten, während die leichte Reiterei aus demselben Kommando weit rechts in das Aufmarschgebiet der Byzantiner vorstoßen sollte, um ihre dortige Flanke zu bedrohen. Gegen die ganz links heranrückenden leichten Reiterverbände der Ostgoten machte sich die maurische leichte Reiterei von der rechten byzantinischen Außenposition auf den (langen   ) Weg.

(3)

(3) Die Kontrahenten haben im Zentrum weitgehend Stellung bezogen und es kommt zu ersten Nahkämpfen. Die Ereignisse von unten nach oben: Auf dem kleinen Hügel wurden die byzantinischen Plänkler komplett "auf dem falschen Fuß" erwischt. Die leichte Reiterei der Ostgoten ist nach links abgebogen und den Plänklern von der Kuppe des Hügels in den Rücken gefallen! (Die maurische leichte Reiterei der Byzantiner vom rechten Flügel befindet sich noch auf ihrem Marsch und ist somit viel zu weit entfernt, um die ostgotischen leichten Reiter zu konfrontieren.) Durch diese Situation wurde eine wesentliche Bedrohung für die rechte Flanke der ostgotischen Panzerreiter zunichte gemacht. Trotzdem attackieren die byzantinischen Kavallarioi wie geplant die Panzerreiter der Ostgoten neben dem Hügel - und sie schlagen sich erstaunlich gut, so dass die Ostgoten dort ihre ersten Verluste erleiden. Weiter zum Zentrum hin haben die Truppen beider Armeen einander gegenüber lauernd Stellung bezogen, aber zu einem Aufeinandertreffen ist es hier in dieser Phase noch nicht gekommen. Die Ostgoten haben sehr wirksam eine Abteilung Leichtbewaffneter vor ihre Speerkämpfer positioniert, um den erwarteten Angriff der byzantinischen Boukellarioi zu brechen (rotes Oval). Hinter den byzantinischen Reiterlinien haben nun auch die Skoutatoi-Schwertkämpfer als zweite (Reserve-)Linie Stellung bezogen. Ganz oben stürmt die leichte Reiterei der Byzantiner weiter in Richtung der äußersten ostgotischen Flanke vor. Die Ostgoten reagieren darauf, indem sie den Byzantinern ihre leichte Reiterei sowie leichtbewaffnete Fußtruppen entgegen schicken.

(4)

(4) Die Lage spitzt sich für beide Seiten zu, es entbrennen Kämpfe über die gesamte Frontlinie hinweg und die Verluste beginnen, sich zu summieren. Unten setzen die byzantinischen leichten Reiter ihre erfolgreichen Angriffe auf die ostgotischen Panzerreiter fort, so dass das ostgotische Kommando 1 schließlich bricht. Ein (unerwartet) großer Erfolg für die Byzantiner an dieser Stelle! Demgegenüber entwickelt es sich im Zentrum für die Byzantiner schlechter; hier erleidet sowohl die byzantinische leichte Reiterei Verluste gegen die ostgotischen Panzerreiter als auch die byzantinische schwere Reiterei (Boukellarioi) gegen die ostgotischen Speerträger. Richtig dramatisch wird es an der rechten Flanke der Boukellarioi (roter Kreis), wo diese versucht haben, sich in den Nahkampf gegen die ostgotischen Bogenschützen zu stürzen, aber unter Verlusten beschossen werden - eine eklatante Fehleinschätzung der byzantinischen Generalität, die ihre Elitereiter hier in eine äußerst unvorteilhafte Position - die Gefährlichkeit der Bogenschützen unterschätzend - hineinmanövriert hat. Die Byzantiner haben zwar versucht, die Bogenschützen auch in ihrer Flanke zu attackieren, wurden aber von ostgotischen Plänklern aufgehalten, gegen die sie sich erst freikämpfen mussten (blauer Kreis). Zwei weitere nennenswerte Entwicklungen in dieser Phase sind demgegenüber von eher geringerer Priorität: Die byzantinischen schweren Fußtruppen (Skoutatoi) rücken jetzt im Zentrum auf ganzer Linie vor, um so schnell wie möglich in die Kämpfe eingreifen zu können, bevor es zu spät ist, und die ostgotischen leichten Reiter haben ganz oben jetzt Stellung bezogen und verhindern somit wirksam, dass ihre byzantinischen Kontrahenten der Armee der Ostgoten in den Rücken fallen können (jene byzantinischen leichten Reiter wurden zu diesem Zeitpunkt aber, wie beschrieben, sowieso teilweise schon gegen die Flanke der ostgotischen Bogenschützen abgezogen).

(5)

(5) Die Endphase der Schlacht. Das byzantinische Kommando 1, dass sich tapfer (gute Kampfwürfel! ⁣ ) geschlagen hat, musste sich letztlich den übermächtigen Attacken der Panzerreiter des Kommandos 2 der Ostgoten geschlagen geben, nachdem es von den schweren, aber erfolgreichen Kämpfen gegen das ostgotische Kommando 1 bereits angeschlagen war. Es ist schließlich gebrochen. Während im Zentrum die Kämpfe noch andauern, summieren sich auch die Verluste beim byzantinischen Kommando 2, weil mehr und mehr Boukellarioi unter dem fortgesetzten Beschuss der ostgotischen Bogenschützen ausgeschaltet worden sind. Auch die entschlossenen Angriffe der byzantinischen leichten Reiterverbände gegen die Plänkler und Bogenschützen auf der äußersten Flanke der Ostgoten helfen nicht mehr - auch das Kommando 2 der Byzantiner bricht schließlich. Oben sieht man noch fliehende Verbände des gebrochenen ostgotischen Kommandos 1, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Die Schlacht ist beendet.

Es war eine hart umkämpfte, für beide Seiten verlustreiche Schlacht, die überaus fordernd war und sehr viel Spaß gemacht hat! Die Entscheidung, die Schlacht frontal zu führen, war keine gute, was aber zu erwarten war. Auf jeden Fall aber war speziell der Angriff der Boukellarioi auf die mehrreihigen ostgotischen Speerkämpfer, insbesondere in der Konstellation mit den von der Seitenlinie aus feuernden Bogenschützen, eine fahrlässige und damit letztlich dumme Entscheidung. Ich freue mich auf die nächste Begegnung mit den Ostgoten, vielleicht läuft es dann besser ⁣    Diese Schlacht endete mit 17:8 Victory Points für die Ostgoten - notiert für die Minikampagne "Kampf um Rom", in deren Rahmen die Schlacht ja eingebettet war...


Italian Condotta (Venetian) vs Fatimid Egyptian
12.02.2022

Fast eineinhalb Jahre, nachdem mein Deutscher Orden auf Guidos fatimidische Ägypter getroffen war, kam es zu einem Aufeinandertreffen zwischen meinen spätmittelalterlichen Venezianern und den Fatimiden (eine freilich historisch nicht ganz akkurate Begegnung). Die Deutschordenstruppen hatten seinerzeit den Sieg über die Fatimiden errungen - würde dies den Venezianern ebenfalls gelingen? Eine spannende Frage vor dem Hintergrund, dass ich mit den Venezianern bisher nur drei kleine 240AP-Schlachten bestritten hatte (gegen mittelalterliche Deutsche), und alle drei waren im Ergebnis nicht von Erfolg gekrönt ⁣   In der Zwischenzeit hatte ich die venezianische Armee auf 400AP ausgebaut und war nun sehr gespannt, wie sie sich auf dem größeren Schlachtfeld schlagen würden...

(1)

(1) Beide Kontrahenten haben eine niedrige Aggressionsrate - der Würfel hat entschieden, dass die Venezianer die Angreifer sind und eine kleine Reise nach Ägypten unternehmen, was ihnen als Seefahrernation nicht schwer gefallen sein dürfte. Die Fatimiden als Verteidiger durften mehr Gelände wählen und mussten ihre Armee als Erste aufstellen. Sie wählten eine Düne, die sie in ihrer rechten Aufstellungszone legen konnten, eine Build-Up-Area, die an ihrem linken Tischrand gelegt wurde, und zwei flache Felsengebiete, von denen eines in meiner rechten Aufstellungszone landete, während das zweite aus Platzmangel nicht gelegt werden konnte. Die Venezianer wählten einen großen Sumpf, der als Deckung einer ihrer Flanken geplant war, aber in der Aufstellungszone der Fatimiden landete (ich habe ihn dort wenigstens so legen können, dass die Aufstellung der Fatimiden maximal gestört wurde).

Die Fatimiden positionierten den Großteil ihrer Armee, zwei Kommandos, in ihrer rechten Aufstellungszone zwischen der Düne und dem Sumpf, ein drittes Kommando nahm direkt im Sumpf Aufstellung. Die Venezianer positionierten ihre Armee, die als viertes Kommando einen Verband Stradioten mitführte, recht mittig auf dem Schlachtfeld, mit der Hauptstreitmacht, den Rittern, auf dem linken Flügel und den zahlreichen Pikenieren im Zentrum. Rechts davon nahm ein schwächeres Kommando, bestehend aus einer Mischung unterschiedlichster Truppentypen, Aufstellung.

Mein Plan war ziemlich simpel, nämlich mit den Rittern (Kommando 1) geradeaus und zügig auf den Gegner zuzureiten, die Pikeniere (Kommando 2) sollten diesen Angriff unterstützen und zugleich absichern, das leichte Kommando 3 sollte weniger aggressiv vorgehen und die gegnerischen Truppen in dem Sumpf beobachten, während die rückwärtig platzierten Stradioten (Kommando 4) entweder als Reserve fungieren oder die linke Flanke der venezianischen Armee absichern sollten. Obwohl das Ritterkommando für den Hauptangriff vorgesehen war, teilte ich ihm nur den mittelhohen PIP zu, während das Pikenkommando den höchsten PIP bekam (was sich im Verlauf der Schlacht als die richtige Entscheidung erweisen sollte).

Nun blieb abzuwarten, was die Fatimiden in ihrem ersten Zug unternehmen würden...

(2)

(2) Zur Eröffnung der Schlacht manövrierten die Fatimiden ihre leichte Reiterei sowie Teile der Kavallerie zwischen der Düne und dem Rand des Schlachtfelds entlang, um ein Bedrohungsszenario gegen die linke Flanke der Venezianer aufzubauen. Um dies zu kontern, schickte ich die Stradioten weit nach links hinüber. Das Ritterkommando ließ ich, wie geplant, aggressiv nach vorne in Richtung der Infanterielinie der Fatimiden reiten. Um die linke Flanke dieses Kommandos zu sichern (insbesondere gegen Angriffe von der Düne aus), schickte ich die leichte Reiterei aus dem Pikenkommando nach links in den Raum zwischen Dünenrand und den Rittern. Die Pikeniere selbst bewegten sich ebenfalls nach vorne und schwenkten dabei linksherum ein. Das Kommando 3, rechts außen, rückte nach vorne in Richtung Sumpf vor, jedoch langsamer und weniger aggressiv (die niedrigen PIPs und der Plan gingen hier Hand in Hand). Außer der geschilderten Reiterbewegung entlang dem Schlachtfeldrand blieben die Fatimiden in dieser Phase recht stationär: Nur eine Gruppe leichtbewaffneter Plänkler erweiterte die Infanterielinie im Sumpf nach rechts außen, und eine kleine Kavallerie-Abteilung nahm im Bereich der rechten Flanke der Schwertkämpfer hinter der Düne Aufstellung.

(3)

(3) Nicht zuletzt dieses soeben geschilderte Manöver der Fatimiden veranlasste die venezianische Generalität zu einer abrupten taktischen Änderung! Der Vorstoß der Ritter wurde abgebrochen, sie wendeten um 180° und zogen sich vorerst wieder zurück. Ihr ursprünglich geplanter Vorstoß wurde schon seit seinem Start von einem unguten, mulmigen Gefühl begleitet, und die Summe der drei mit Ziffern auf der Karte markierten Problemstellen ließen das weitere Vorrücken letztlich in der Analyse als zu riskant erscheinen: (1) die Bedrohung der linken Flanke der Ritter durch die dort positionierte Fatimiden-Kavallerie, (2) die Reihe von vier Einheiten fatimidischer Bd (X), welche bekanntlich die Kapazität haben, Ritter sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung zu töten sowie (3) die Bedrohung auch der rechten Flanke der Ritter durch potentielle Angriffe einzelner fatimidischer Truppen aus dem Sumpf heraus. (Aber es drohte nicht nur die Gefahr einer lokalen Kesselschlacht: Selbst bei einem erfolgreichen Angriff der Ritter auf die Infanteriereihe der Fatimiden hätten sie es mit einer dahinter platzierten zweiten, intakten Reihe zu tun gehabt, die immerhin aus Cv (S) bestand.) Zeitgleich mit dem Rückzug der Ritter wurden auch die Stradioten zurückbeordert, um eine neue, geschlossene defensive Kampflinie auf dem linken Flügel aufzubauen. Die leichte Reiterei, die dem Pikenkommando entstammte, hat unterdessen bereits in einer schrägen Linie eine solche Verteidigungsstellung bezogen. Alles in allem eine aufregende, unerwartete Phase innerhalb der gesamten Schlacht, die insgesamt aber auch noch einmal den großen Vorteil effizient kommandierbarer regulärer Armeen vor Augen geführt hat.

(4)

(4) In dieser Phase der Schlacht ist das aggressive Vorgehen der Venezianer aufgrund der Entscheidungen der vergangenen Phase ins Stocken geraten. Es gelang mir aber immerhin ordentlich, die Truppen in der linken Hälfte optimal zu reorganisieren; die Gefahr einer Umfassung war gebannt. Auch die Fatimiden haben dort ihre Truppen nun in Aufstellung gebracht, so dass sich beide Armeen entlang den gestrichelten Linien gegenüberstehen (an einigen Stellen quasi Auge in Auge), jederzeit bereit, zuzuschlagen. In der Mitte (schraffierte Fläche) entstand aufgrund der jeweiligen Truppenpositionen eine Gefahrenzone, in der beide Kontrahenten bei einem Angriff viel zu verlieren gehabt hätten - eine Pattsituation. Entgegen meiner eigentlichen Absicht, aggressiv vorzugehen und den Gegner in Zugzwang zu bringen, drohte dieser Moment zu einem Kippunkt der Schlacht zu werden, indem den Venezianern die Taktik des Gegners aufgezwängt würde. Insofern zeigte diese Phase trotz der erfolgreich abgeschlossenen Truppenreorganisation einen Tiefpunkt in der Moral der venezianischen Generalität, in der eine gewisse Ratlosigkeit um sich Griff. Es gab aber auch Grund zur Zuversicht, denn immerhin hatten die Fatimiden den Sumpf nach wie vor nicht verlassen, so dass sich mein rechter Flügel, der aufgrund des Gefälles an Truppenqualität eindeutig unterlegen war, noch außer Gefahr befand. Ich habe zudem in Antizipierung kommender Entwicklungen eine Kolonne Pikenträger aus dem Zentrum an die linke Front abkommandiert, um hier in der Lage zu sein, voraussichtlich entstehende Lücken in der venezianischen Reiterlinie schnell füllen zu können - ein vermeintlich kleines, aber wichtiges Detail. Die nächste Phase, die zumindest auf dem linken venezianischen Flügel kampfreich zu werden versprach, würde voraussichtlich eine Vorentscheidung bringen. Überwiegend standen hier venezianische LH (O) fatimidischen LH (O) gegenüber, es gab jedoch unglücklicherweise auch einen Abschnitt, in dem sich venezianische LH (I) mit fatimidischen Cv (O) konfrontiert sahen...

(5)

(5) Der Zusammenprall zwischen den Reiterverbänden auf dem linken venezianischen Flügel erfolgte kurz, aber heftig. Die venezianischen Stradioten und ihre Reiterkollegen waren unerwartet erfolgreich, mit überragenden Kampfwürfeln, so dass fast die gesamte leichte Reiterei der Fatimiden ausgelöscht wurde - unter minimalen Verlusten auf Seiten der Venezianer! Die kleine Pikenabteilung, die in weiser Voraussicht an diese Front entsandt wurde, konnte tatsächlich ihre Aufgabe als "Lückenfüller" planmäßig erfüllen (blauer Kreis). Im Zentrum begannen beide Seiten - die venezianischen Ritterverbände (mit einem leichten Linksschwenk) und die venezianischen Pikeniere (in gestaffelter Formation, um gegenseitig ihre Flanken zu schützen) sowie die Infanteriereihen der Fatimiden - langsam, aber entschlossen ihren Vormarsch aufeinander zu. Die Fatimiden haben in dieser Phase ihre Truppen im Sumpf in einer langen Linie formiert, aber - Glück für die Venezianer - den Sumpf nach wie vor nicht verlassen.

(6)

(6) Die vorletzte Phase der Schlacht - die Verluste auf Seiten der Fatimiden summierten sich bereits. Links außen wurden die fatimidischen Reiterverbände mehr oder weniger vollständig aufgerieben, weiter zur Mitte hin, nahe der Düne, wurde noch gekämpft, aber mit ansteigender Überlegenheit der Venezianer. Auf dem gegenüberliegenden Flügel ist jetzt der lange erwartete Angriff der fatimidischen Infanterieverbände aus dem Sumpf heraus erfolgt! Trotz ihrer (vor allem qualitativen) Unterlegenheit schlugen sich die Venezianer wacker, so dass der fatimidische Vorstoß weniger verheerend war, als befürchtet. Im Zentrum kam die Infanteriereihe der Fatimiden den venezianischen Rittern langsam, aber stetig näher - nun war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch hier die Kampfhandlungen beginnen würden.

Leider existiert von der allerletzten Runde der Schlacht kein Foto, aber das kleine blau umrandete Bild in der rechten unteren Ecke illustriert die Geschehnisse: Da der rechte Flügel der Fatimiden unter hohen Verlusten litt und zugleich auch ihr linker Flügel weniger erfolgreich war, als befürchtet, sah die venezianische Generalität den Moment gekommen für den entscheidenden, letzten Stoß im Zentrum. Die Ritter und die Pikenträger stürmten vorwärts, um alle erreichbaren Gegner frontal anzugreifen. Dieser eine kurze Angriff führte innerhalb einer einzigen Runde zum Zusammenbruch der gesamten Armee der Fatimiden! Die Schlacht war vorbei.

Es war eine der spannendsten Schlachten, die ich jemals gespielt habe, und zugleich - da meine Verluste tatsächlich dermaßen minimal waren (es war noch nicht mal ein Kommando "disheartened") - einer der größten Siege, die ich jemals erringen konnte. Sehr unerwartet - ausgerechnet mit den Venezianern - und fraglos nicht zuletzt bedingt durch großes, streckenweise exorbitantes Würfelglück bei den Kämpfen, aber immerhin! ⁣   Ich habe bei dieser Schlacht auch einiges richtig gemacht, von der Entscheidung, den ersten Vorstoß zugunsten einer Truppenreorganisation abzublasen über den effizienten Einsatz der Truppen an den jeweils entscheidenden Stellen bis zum "Mikromanagement" für einzelne Unterverbände (Verhindern von Flankierungen etc.). Insofern konnte die venezianische Generalität in Venedig - der Serenissima Repubblica di San Marco - zu einem triumphalen Empfang Einzug halten:




Early Byzantine vs Avar
18.01.2022

Am 18.01.2022 trafen meine Frühen Byzantiner und Rainers Awaren in einem historisch akkuraten Kräftemessen aufeinander. Da es eine "Feierabend"-Partie war, spielten wir nur mit 240AP auf einem verkleinerten Spieltisch. Beide Armeen ähnelten sich sehr, mit je einem kleinen Infanteriekommando und zwei Reiterkommandos, die überwiegend aus Cv (S) und LH (S) bestanden, wobei die Awaren an schwerer bzw. Elite-Reiterei eine deutliche Überlegenheit über die Byzantiner hatten. Es versprach also, eine spannende und herausfordernde Schlacht zu werden!

(1)

(1) Dafür, dass zwei bewegliche Reiterarmeen gegeneinander antraten, war das Schlachtfeld ungewöhnlich eng. Rainer war Verteidiger und legte einen kleinen und einen mittelgroßen bewaldeten Hügel (Difficult Going), ich war Angreifer und legte zwei kleine matschige Flecken (Rough Going). Als Verteidiger mussten die Awaren zuerst Aufstellung beziehen. Rainer platzierte sein Infanteriekommando auf seinem rechten Flügel in dem kleinen bewaldeten Hügel, sein mächtiges Reiterkommando, unter anderem mit Gepiden (Irr Kn (F)), stellte er ins Zentrum, und das zweite Reiterkommando nahm auf dem linken Flügel Aufstellung. Die Byzantiner formierten sich direkt gegenüber, und zwar in einer ähnlichen (spiegelbildlichen) Konstellation: Das Infanteriekommando bestehend aus Skoutatoi (Bd (I)), Psiloi (Ps (O)) und wenigen Isaurern (Ax (I)) stellte ich auf meinem linken Flügel in das matschige Gelände, im Zentrum nahm mein schweres Reiterkommando mit den Boukellarioi (Cv (S)) und Kavallarioi (LH (S)) Aufstellung, rechts davon, zwischen Zentrum und dem großen Waldhügel, platzierte ich mein leichtes Reiterkommando, das aus LH (S) und wenigen LH (O) bestand.

Aufgrund der Enge des Schlachtfelds wurde - für bewegliche Armeen unüblich - nicht viel manövriert, sondern beide Armeen trafen recht frontal aufeinander, was, aufgrund ihrer leichten qualitativen Unterlegenheit bei den Reitern, nicht günstig für meine Byzantiner war. Trotzdem sah ich (nicht zuletzt wegen des matschigen Geländes in meinem Rücken) keine praktikable Möglichkeit, meine Unterlegenheit durch Manöverbewegungen auszugleichen. Stattdessen war mein Plan simpel: Langsam und geschlossen mit den beiden berittenen Kommandos vorzurücken, zugleich sollten die Skoutatoi (Bd (I)) so Stellung beziehen, dass sie, sobald das zentrale Reiterkommando der Awaren vorrückt, diesem mit einem Rechtsschwenk in die Flanke fallen können. Die Psiloi und Isaurer sollten letztere Bewegung gegen die gegenüber aufgestellten awarischen Fußtruppen absichern. Die Parole lautete also: "Augen zu und durch!"

(2)

(2) Unter diesen Prämissen begann die Schlacht. Die Awaren blieben in der ersten Phase recht regungslos (teilweise wegen mangelnder PIPs - sie hatten bei einem Aufeinandertreffen in der gegebenen Konstellation allerdings auch Vorteile auf ihrer Seite und daher keinen Grund für Hektik) und formierten lediglich die Reiterei ihres linken Flügels in eine Linie, um sie den byzantinischen Reitern gegenüberstellen zu können. Außerdem zogen sie Teile der leichten Reiterei aus dem Zentrum auf diesen linken Flügel als Verstärkung ab. Wie geplant, schwenkte ich mit den Skoutatoi nach rechts ein und ließ die beiden Reiterkommandos auf ganzer Linie vorrücken (im Zentrum etwas langsamer, als auf dem rechten Flügel, da diese Bewegung mit derjenigen der Skoutatoi zu koordinieren war). Gleichzeitig bewegte sich der (leichtbewaffnete) Rest meiner Infanterie auf dem äußersten linken Flügel ebenfalls nach vorne.

(3)

(3) In dieser Phase begann die awarische Reiterei ihren langsamen Vormarsch, während derjenige der Byzantiner vorerst (planmäßig) zum Stillstand gekommen war. Von der awarischen Infanterie rückten wegen PIP-Mangels glücklicherweise lediglich die Leichtbewaffneten ganz außen vor, während die Slawen (Irr Ax (O)) auf dem bewaldeten Hügel verblieben. Gegen die potentielle Bedrohung durch die awarische Infanterie formierte ich meine Psiloi und Isaurer in einer langen Linie, dabei wohl wissend, dass diese auf lange Sicht ihrem Gegner unterlegen sind - deshalb sollte auf diesem Flügel generell eher auf Zeit gespielt werden. Die Entscheidung sollte im Zentrum fallen: Dafür haben die Skoutatoi jetzt Stellung bezogen, um der zentralen awarischen Reiterei in deren rechte Flanke fallen zu können - leider war der Raum aber zu eng, um die lange Skoutatoi-Kolonne vorteilhaft auffächern zu können. Trotzdem entwickelte sich für die Byzantiner in dieser Phase noch alles weitgehend nach Plan, so fragwürdig der auch sein mochte...

(4)

(4) Kurz darauf kam es zu ersten Kämpfen. Ganz außen, auf meinem linken Flügel, wurden die Isaurer attackiert, konnten die unterlegenen Angreifer (Ps (I)) aber vernichten. Wichtiger ist der Kampf im Zentrum: Hier trafen Teile der beiden Reiterkommandos erstmalig aufeinander. Die byzantinischen Boukellarioi (Cv (S)) mussten sich insbesondere vor den gepanzerten Gepiden (Irr Kn (F)) in Acht nehmen; insofern war es vorteilhaft für die Byzantiner, dass ihre Kavallerie durch eine vorgelagerte Reihe leichter Reiterei abgeschirmt war. Die Awaren verloren eine Einheit leichter Reiterei, ansonsten war dieser erste Kampf noch entscheidungslos. Die byzantinischen Skoutatoi konnten sich ein wenig auffächern und sich somit insbesondere gegen die potentielle Gefahr eines Angriffs von awarischen Fußtruppen gegen ihre linke Flanke absichern, waren aber erst einmal blockiert durch den klugen Angriff einer Einheit awarischer leichter Reiterei (roter Kreis). Zugleich haben die Slawen den bewaldeten Hügel fast geschlossen verlassen und stürmten nun direkt auf die byzantinischen Psiloi zu, während das Reiterkommando des linken Flügels der Awaren soweit an die gegenüber aufgestellten byzantinischen Reihen leichter Reiterei vorgerückt war, dass beide Kontrahenten in Schlagdistanz waren.

(5)

(5) Die Endphase der Schlacht zeigte innerhalb kürzester Zeit dramatische Wendungen. Das byzantinische Reiterkommando des rechten Flügels brach unter kurzen, aber schweren Kämpfen! Eine Entwicklung, die leider ebenso zu befürchten wie zu erwarten war, angesichts der qualitativen Unterlegenheit der byzantinischen Reiterverbände. Hier hat sich sogar der byzantinische Subgeneral selbst heldenhaft in den Kampf geworfen und war in seiner Angriffsrunde auch erfolgreich, er und seine Kameraden mussten gegen den awarischen Gegenangriff jedoch letztlich den Kürzeren ziehen. In der darauf folgenden Runde konnten die Einheiten dieses Kommandos von den Byzantinern wenigstens noch auf dem Schlachtfeld gehalten werden (bis auf eine einzelne Einheit maurischer leichter Reiterei, die floh). Dann geschah das Unerwartete: Auch bei den Awaren brach ein Kommando, und zwar das Zentrale! Insbesondere die Gepiden erwiesen sich gegenüber dem Angriff der byzantinischen Boukellarioi, der jetzt mit letzter Verzweiflung im Zentrum geführt wurde, sehr anfällig und wurden vollständig vernichtet. Dies erfolgte zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Skoutatoi glücklicherweise soeben freigekämpft hatten und somit in der nächsten Phase anderweitig hätten eingesetzt werden können (blauer Kreis Mitte). - Demgegenüber verblassen die Ereignisse auf dem linken byzantinischen Flügel/rechten awarischen Flügel fast: Die Awaren gewannen hier nach schweren Kämpfen langsam die Oberhand. Ganz außen existierte nur noch eine vereinzelte byzantinische Einheit, die sich dem awarischen Subgeneral gegenübersah (blauer Kreis links). Dafür war die Lage etwas weiter rechts auf diesem Flügel noch nicht ganz so dramatisch - hier schoben sich die Fußtruppen gegenseitig.

Aus Zeitgründen musste die Schlacht an dieser spannendsten Stelle abgebrochen werden.   Auch wenn ich insgesamt mehr Chancen für die Awaren sehe, wäre ein Fortsetzen noch interessant geworden... Das Ergebnis wäre vermutlich sehr abhängig von dem PIP-Wurf der beiden Infanteriekommandos (beide Seiten hatten diesen Kommandos den niedrigsten PIP-Würfel zugeordnet). Gelänge es den Awaren, das schon schwer angeschlagene Kommando der Byzantiner rasch zu brechen und somit den Gesamtsieg davonzutragen, oder hielte das Kommando noch so lange durch, bis die frei gewordene byzantinische Verstärkung aus dem Zentrum eingreifen und ihrerseits das Infanteriekommando der Awaren brechen kann? Und wie schnell schaffen es die Awaren, das "frei gewordene" Reiterkommando ihres linken Flügels in neue Kämpfe zu ziehen...?

Fragen, die niemals beantwortet werden, denn beide Generäle einigten sich auf ein Unentschieden und zogen ihre Armeen vom blutgetränkten Schlachtfeld ab - bereit für die nächste, dann hoffentlich entscheidende Begegnung!   


Polybian Roman vs Later Carthaginian
05.09.2021

Am 05.09.2021 trafen sich die Römer und die von Hannibal angeführten Karthager zu einem Rematch ihres Aufeinandertreffens vom Sonntag davor. Die Armeen waren exakt dieselben, aber die Schlacht entwickelte sich vollständig anders: Statt einer römischen Defensivschlacht auf einem Hügel führten beide Kontrahenten ihre Armeen in eine klassische offene Feldschlacht, die in ihren Manövern und dem ganzen Verlauf sehr an historische Vorbilder erinnerte, so dass - zumindest bei mir - das Gefühl aufkam, einer wirklich realistisch geführten antiken Schlacht beizuwohnen - mehr kann man von einem historischen Tabletop-Regelwerk nicht erwarten!
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(1) Anders als bei der letzten Begegnung waren die Karthager dieses Mal die Verteidiger und durften mehr Gelände als die Römer legen. Sie wählten viel schweres Gelände, von dem der überwiegende Teil in der (hier und im Folgenden stets von den Römern aus gesehenen) linken Tischhälfte landete, wobei zwei kleine Wälder eher mittig sowohl in der römischen wie der karthagischen Aufstellungszone gelegt wurden. Die Römer wählten einen großen Sumpf als Flankenschutz, der am rechten Tischrand platziert werden konnte.

Hannibal musste seine Truppen als Erster aufstellen. Sein großes Kommando, bestehend aus Speerkämpfern, Elefanten und Kavallerie positionierte er zentral. Flankiert wurde es von einem Kommando numidischer leichter Reiterei, in Marschposition hinter einem großen Berg, auf dem einen Flügel sowie einem Kommando mit Auxilia-Truppen, die hinter dem Sumpf Aufstellung nahmen, auf dem anderen Flügel. Die Römer stellten sich den Karthagern direkt gegenüber auf, in klassischer Anordnung: Vorne die leichtbewaffneten Velites, dann zwei Reihen Legionäre, in der hinteren, dritten Reihe die Triarii als Reserve. Rechts wurde die schwere Infanterie flankiert von leichtbewaffneten syrakusanischen Schleuderern, die im Sumpf standen, links nahm ein Teil der Auxilia vor dem Wald Aufstellung, während der andere Teil der Auxilia isoliert ganz weit links auf der Außenposition stand. Etwas unglücklich musste die Kavallerie, die dem Kommando 3 zugeordnet ist, rechts hinter der Infanterie positioniert werden. Wie beim vorigen Mal erhielt das Kommando 1 den niedrigsten PIP, Kommando 3 den mittleren und Kommando 2 den höchsten PIP.

Der Schlachtplan der römischen Generalität war wie folgt: Die schwere Infanterie der Kommandos 2 und 3 sollte möglichst rasch geradeaus gegen die karthagischen Reihen vorrücken. Die ebenfalls mit vorrückenden Schleuderer und die Auxilia sollten rechts bzw. links für Flankenschutz sorgen. Die Abteilung Auxilia ganz links auf der Außenposition sollte den großen Berg erklimmen, um von dort Marschbewegungen der karthagischen Reiterei zu behindern und etwaigen karthagischen Verbänden, die um den Berg herum - ob entlang dessen unterer Seite oder entlang dessen rechter Seite - operieren, in die Flanke fallen zu können. Die römische Kavallerie sollte so schnell wie möglich im Rücken der eigenen Truppen nach links eilen, um gegenüber der karthagischen Kavallerie in der Lücke zwischen dem Berg und der römischen Infanterielinie Aufstellung zu beziehen.

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(2) In der ersten Runde verläuft alles einigermaßen planmäßig für die römische Armee. Die links stehenden Auxilia erklimmen den Berg, die Kavallerie zieht so schnell wie möglich in die linke Tischhälfte. Allerdings verbleibt die Schlachtreihe mit den Legionären und einem Teil der Auxilia, anders als geplant, vorerst an Ort und Stelle, da ein zu schnelles Vorrücken die linke Flanke der Reihe zu stark exponiert hätte, bevor die römische Kavallerie dort Aufstellung beziehen kann. Hannibal dagegen rückt im Zentrum vor, aber nur mit langsamen Schritten. Ganz rechts marschiert ein Teil der karthagischen Auxilia-Verbände in Kolonne durch den Sumpf, die Gefahr eines Angriffs auf die römische rechte Flanke oder sogar in den Rücken der römischen Armee heraufbeschwörend. Trotzdem bleibt die römische Generalität gelassen und verfolgt weiter ihren Plan - einzige Reaktion ist vorerst das Vorziehen der syrakusanischen Schleuderer im Sumpf in Richtung der karthagischen Truppen, um hier Gegendruck aufzubauen.

Unerwartet in den Augen der Römer ist das Manöver der karthagisch-numidischen Reiterei, die sich in zwei Teile aufspaltet, wobei der kleinere Teil ganz links außen um den Berg herum reitet und der größere Teil in Kolonne in die Lücke zwischen dem Berg und der karthagischen Kavallerie stürmt. Gegen die drohende Gefahr der um den Berg reitenden Numider entsenden die Römer ihre kretischen Bogenschützen aus dem Kommando 2 auf einen langen Marsch durch den Wald bis in die linke Tischhälfte (wohl wissend, dass diese leichtbewaffneten Truppen gegen leichte Reiterei geringe Chancen haben, aber die römische Generalität vertraut ihren Truppen).

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(3) Mittlerweile geht es voran: Die römische schwere Infanterie rückt vor, da die römische Kavallerie inzwischen auf dem linken Flügel eingetroffen ist (wenn auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Linie formiert). Die Legionäre im Zentrum rücken am Weitesten vor, um Druck aufzubauen, die Legionäre rechts und die Auxilia links bleiben etwas zurück, decken aber die Flanken ihrer Kameraden im Zentrum. Ganz rechts im Sumpf bewegen sich zwei Abteilungen karthagischer Auxilia-Verbände auf die römische Flanke zu. Gegen die Gefahr eines Angriffs in ihrem Rücken wird die Triarii-Reserve aus dem mittleren Kommando 2 in Richtung des Sumpfes abkommandiert.

Das Hauptproblem für die Römer in dieser Phase (und allen folgenden) der Schlacht ergibt sich daraus, dass die Schleuderer ganz rechts im Sumpf relativ bewegungsunfähig sind, da es sich um irreguläre Truppen handelt, die für komplizierte Manöver zu viele PIPs verbrauchen würden. Dies sollte aber letztlich - Fortuna sei Dank! - keine negativen Konsequenzen für die Römer bis zum Ende der Schlacht haben. Während die Hauptschlachtlinie der Karthager vorerst zum Stillstand gekommen ist, agieren Teile der numidischen Reiterei unentschlossen und ziehen sich wieder hinter die karthagischen Reihen zurück. Der Rest der Numider reitet unterdessen ganz links außen weiter um den Berg herum, jedoch wegen mangelnder PIPs recht langsam. Die gegen diese Gefahr abkommandierten kretischen Bogenschützen befinden sich weiterhin auf dem Marsch nach links. Gegen die römische Auxilia-Einheit, die schon zuvor Aufstellung am Fuß des Berges bezogen hatte, um etwaigen karthagischen Reitertruppen in die Flanke fallen zu können, entsendet Hannibal einige Leichtbewaffnete, die den Berg erklimmen.

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(4) Für die Römer verläuft weiterhin alles planmäßig, während die Karthager in dieser mittleren Phase der Schlacht unter einigen miserablen PIP-Würfen leiden (drei Runden hintereinander erzielen die Generäle der einzelnen Kommandos fast nur 1en und 2en!). Während die gesamte Infanterielinie der Römer weiter entschlossen auf das karthagische Zentrum hin vorrückt, hat die römische Kavallerie endlich ihre Kampfformation eingenommen (blaues Rechteck). Ein Teil der Kavallerie ist durch vorgelagerte Auxilia-Truppen verdeckt, was der Enge des Aufmarschraums und ebenfalls einem Mangel an PIPs geschuldet ist - das ist unglücklich, aber nicht gravierend. Rechts haben die Triarii gegen die karthagischen Auxilia, die sich im Sumpf befindet, Stellung bezogen (blauer Kreis rechts). Einige der karthagischen Auxilia-Truppen greifen im Sumpf die römisch-syrakusanischen Schleuderer an - der allererste Kampf im Verlauf dieser Schlacht!

Auf der gegenüberliegenden Seite, in der linken Tischhälfte, haben die kretischen Bogenschützen an einer sehr günstigen Position, nämlich der Engstelle zwischen dem Berg und dem Weingut, Stellung bezogen (blauer Kreis links). Die römische Auxilia am Fuß des Berges hat sich unterdessen umformiert und rückt gegen die karthagischen Leichtbewaffneten auf dem Berg vor. Die karthagisch-numidische Reiterei schließlich stößt in langer Kolonne im Zentrum zwischen den karthagischen Reihen hervor, um einen Angriff auf die den römischen Legionen vorgelagerten leichtbewaffneten Velites zu unternehmen.

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(5) In dieser Phase der Schlacht sind die Armeen beider Seiten auf der gesamten Breite des Schlachtfelds aufeinander gestoßen und es entbrennen Nahkämpfe an allen Stellen, von ganz links bis ganz rechts. Die römischen Legionäre im Zentrum sind außerordentlich erfolgreich in ihrer Attacke auf die karthagischen Speerkämpfer und Elefanten - an einer Stelle ist den Legionären bereits der Durchbruch gelungen! Die Reiterverbände beider Armeen, römische und karthagische Kavallerie, sind noch in zähem Kampf verwickelt, der aufgrund des relativen Gleichgewichts sowohl in Kampfkraft als auch in Truppenstärke recht langwierig verläuft. (Die der römischen Reiterei vorgelagerten Auxilia-Truppen sind bereits zuvor von der karthagischen Kavallerie nahezu ausgelöscht worden.) Ganz links entwickelt sich der Kampf zwischen den römischen Bogenschützen und den numidischen Reitern heftig, aber unentschieden: Beide Seiten haben zu diesem Zeitpunkt die Hälfte ihrer Truppen, die sie an dieser Stelle ins Feld geführt haben, verloren. Rechts im Sumpf unterliegen die römischen Schleuderer langfristig den karthagischen Auxilia-Truppen, die jetzt frei stehen (roter Kreis) - dies war zu erwarten, aber die Schleuderer haben ihre Aufgabe, den Flankenangriff der Karthager aufzuhalten bzw. zu verzögern, heldenhaft erfüllt. Insgesamt nimmt die Lage an dieser rechten Flanke für die Römer zu keiner Zeit in der Schlacht wirklich kritische Ausmaße an, bedingt durch die erwähnte PIP-Krise der Karthager...

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(6) Die Schlussphase der Schlacht. Die karthagischen Speerkämpfer und Elefanten sind fast vollständig ausgelöscht, bei minimalen römischen Verlusten unter den Legionären, die freie Bahn haben, ihre Gegner hart zu flankieren. Auch auf dem Berg entscheiden die römischen Auxilia-Truppen den Kampf gegen die karthagischen Leichtbewaffneten für sich. Das Gefecht zwischen der römischen und karthagischen Kavallerie tobt weiterhin unentschieden; hier halten sich die Verluste auf beiden Seiten in Grenzen. Es gelingt den Karthagern nicht mehr, mit ihrer um den Berg herum geführten numidischen leichten Reiterei der römischen Kavallerie in den Rücken zu fallen - die Römer können es sich sogar leisten, eine einzelne Kavallerie-Abteilung nach hinten abzuziehen, um die wenigen verbliebenen Numider aufzuhalten (blauer Kreis). In der letzten Runde der Schlacht brechen alle drei Kommandos der Karthager schließlich, während die römische Armee noch weitgehend intakt ist.

Die Schlacht hat, wie schon diejenige davor, sehr viel Spaß gemacht. Die römische Armee ist, wenn sie ihren Vorteil voll ausspielen kann, im frontalen Nahkampf sehr stark und hat dennoch genug Spezialtruppen, um auf etwaige Gefahrensituationen beispielsweise durch Angriffe gegen die Flanken der Armee reagieren zu können. Ich war recht zufrieden mit dem Verlauf der Schlacht, weil ich meinen Plan, den Hauptteil der Armee auf den Großangriff gegen das karthagische Zentrum zu konzentrieren, durchführen konnte und mich nicht habe ablenken lassen durch die karthagischen Aktionen rechts und links von meiner Hauptschlachtlinie. Auf all diese Aktionen konnte ich durch den Einsatz minimaler Mittel, welche die Schlagkraft der Hauptarmee nicht reduzieren, antworten. Hinzu gesellte sich das für ein erfolgreiches Schlachtenergebnis nötige Glück, denn Hannibal wurde streckenweise von mäßigen PIP-Würfeln und unterdurchschnittlich miesen Kampfwürfeln geplagt...


Polybian Roman vs Later Carthaginian
29.08.2021

Am 29.08.2021 trafen sich die Armee der Römischen Republik und die von Hannibal angeführte karthagische Armee zu einer spannenden Schlacht, die sich auf einem sehr engen Areal - im Wesentlichen auf und um einen großen Hügel herum - ereignete. Es war sowohl der erste Einsatz für meine neue Armee "Polybian Roman" als auch für Jans neue Armee "Later Carthaginian". In dieser sehr lange dauernden und sehr taktisch geführten Schlacht gelang es den Römern, auf den letzten Metern einen Sieg zu erringen!
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(1) Wie es sich gehört, war Hannibal der Angreifer, d.h. die Römer durften mehr Gelände legen, mussten ihre Armee aber als Erste aufstellen. Um die karthagischen Truppen zu behindern und einen Vorteil für die eigenen Truppen zu erzielen, wählte ich möglichst viel raues bzw. schweres Gelände: Ein großer Hügel (raues Gelände) konnte in meiner rechten Tischhälfte platziert werden, ein Weinberg (schweres Gelände) landete in der hinteren karthagischen Hälfte ganz am Tischrand, ein flaches raues Geländestück konnte aus Platzgründen nicht gelegt werden. Ich positionierte praktisch meine komplette Armee, die natürlich überwiegend aus Legionären (Bd (O) ) bestand, auf dem großen Hügel, lediglich die Reiterei nahm hinter dem Hügel Aufstellung. Meinem großen Kommando mit überwiegend Legionären (Kommando 1) teilte ich den höchsten PIP-Würfel zu, das Kommando 2, das überwiegend aus Legionären und Kavallerie bestand, erhielt den mittleren PIP-Würfel, während dem Kommando 3, das ausschließlich aus Auxilia-Truppen bestand, der niedrigste PIP-Würfel zugeordnet wurde.

Jan wählte einen schweren und einen rauen Hügel, die aber beide für die Schlacht, die ausschließlich in meiner rechten bzw. der karthagischen linken Tischhälfte stattfand, keine Bedeutung hatten. Seine Armee stellte Jan hauptsächlich in seiner linken Tischhälfte, mehr oder weniger dem Hügel gegenüber, auf. Sie hatte ein Übergewicht an berittenen Truppen gegenüber meiner Armee und als Besonderheit vier Elemente mit Elefanten, die den Marsch über die Alpen offenbar gut überstanden hatten.

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(2) Die römische Hügelposition ist sehr stark, da die Karthager in ihrer Armee kaum Truppen mitführen, die für den Geländekampf geeignet sind. Trotzdem verleitet ihre Hitzköpfigkeit die römische Generalität dazu, die Schlacht mit einem Verlassen des Hügels zu eröffnen. Überzeugt von der Angriffstärke der Legionäre hatte ich keine Lust auf eine Defensivstrategie und wollte so schnell wie möglich die Entscheidung mit einem Frontalangriff suchen! Die Reiterei zog ich nach links, um die karthagische Reiterei in Schach zu halten, wollte aber hier einen tatsächlichen Kampf wegen meiner Unterlegenheit möglichst lange hinauszögern. Wie sich im Nachhinein herausstellte war mein einzig wirklich guter Zug in dieser Phase der Schlacht die Disposition zweier Auxilia-Elemente nach rechts außen, um die Karthager an meiner rechten Flanke an Marschbewegungen zu hindern (blauer Kreis).

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(3) Hannibal reagiert auf den Vorstoß der römischen Infanterie lehrbuchmäßig, indem er seine Kavallerie in eine Position stellt, von der aus er die Flanke der vorrückenden, ungeschützten Legionen ins Visier nehmen kann. Den exponierten römischen Truppen droht das Schicksal einer Kesselschlacht - eine Gefahr, welche die römische Generalität zur Vernunft bringt und sie ihre Truppen mit einer 180°-Wende zurück auf den Hügel beordern lässt! Auch die römische Reiterei wird zurückbeordert, damit sie sich neu formieren kann. Die numidische leichte Reiterei der Karthager rückt unterdessen Richtung römischer linker Flanke vor, und die karthagischen Auxilia-Verbände rücken, wenn auch langsam, an der römischen rechten Flanke vor.

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(4) In dieser Phase der Schlacht formieren sich die Truppen neu, ohne dass es bereits zu Feindkontakt kommt. Die römischen Legionen, die in der ersten Runde vorgestürmt sind, haben nach einer erneuten 180°-Wende wieder auf dem Hügel in etwa in ihrer vormaligen Ausgangsposition Stellung bezogen. Die römische Reiterei nimmt in der Engstelle zwischen dem eigenen Lager und dem Hügel Aufstellung, wo die numerisch überlegene Reiterei der Karthager ihre Stärke nicht optimal ausspielen kann. Die karthagische Reiterei beginnt dennoch damit, sich den berittenen römischen Truppen gegenüber stehend zu formieren.

Die karthagischen Auxilia-Einheiten, die mittlerweile alle den Weinberg verlassen haben, befinden sich auf ihrem Vormarsch gegen die rechte römische Flanke. Gegen diese Bedrohung stellen die Römer nicht bloß ihre eigenen Auxilia-Einheiten des Kommandos 3, sondern ziehen auch leichtbewaffnete Psiloi aus den beiden Legions-Kommandos ab (aus dem Kommando 1 die Velites, aus dem Kommando 2 - das ansonsten vorerst in seiner Reserve-Position am unteren linken Rand des Hügels verharrt - die syrakusanischen Schleuderer). Hier kommt ganz klar der Vorteil einer räumlich kompakten Defensivstellung zum Tragen, in der die Wege kurz sind und die PIPs aufgrund sonstiger weitgehender Inaktivität in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. (Während sich für Hannibal schon bald die Schwierigkeit ergeben sollte, sein weit auseinandergezogenes Kommando 1 effektiv befehligen zu können...)

Die karthagischen Speerkämpfer nebst den Elefanten bleiben weiterhin regungslos an Ort und Stelle stehen, aber Hannibal zieht die ihnen beigestellten Psiloi-Elemente in Richtung seiner Auxilia-Verbände zur Unterstützung der dortigen bevorstehenden Kämpfe ab.

Kurze Zeit später wurde von der römischen Generalität übrigens in Erwägung gezogen, aus der Defensive doch noch in die Offensive zu kommen: Wenn nämlich, so die Überlegung, die Reiterverbände beider Armeen am unteren Tischrand schlussendlich in den Kampf verwickelt sind, könnten die Legionen des Kommandos 1 abermals versuchen, den Hügel zu verlassen und, wie gleich zu Beginn schon einmal versucht, gegen das karthagische Kommando mit den Speerträgern und den Elefanten stürmen - dann aber ohne die Bedrohung ihrer linken Flanke durch die anderweitig gebundene karthagische Reiterei. Dieser Plan wurde aber nicht umgesetzt, weil lange Zeit immer noch zu viele Einheiten karthagischer Reiterei ungebunden und frei auf dem Schlachtfeld manövrieren konnten, was es ihnen ermöglicht hätte, doch wieder einen Flankenangriff (wenn auch diesmal in geringerer Zahl) zu unternehmen.

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(5) In dieser Phase spitzen sich die Ereignisse zu - es wird viel manövriert und es kommt zu ersten Gefechten! Die karthagischen Speerträger und Elefanten haben offenbar genug vom Warten und setzen sich in Richtung des von den Römern gehaltenen Hügels in Bewegung, um Druck aufzubauen. Gegen diesen Vormarsch unterstützen die Römer ihre Schlachtreihe mit einem Teil der Legionäre aus dem Kommando 2, das bis zu diesem Zeitpunkt quasi als Reserve fungiert hatte. Der andere Teil der Legionäre aus diesem Kommando wurde schon etwas früher an den Rand der anderen, rechten Seite des Hügels geschickt, um gegen die angreifenden karthagischen Auxilia-Truppen Stellung zu beziehen. Ganz rechts am Hügel sind die römischen und die karthagischen Auxilia bereits in Nahkämpfe verwickelt, die recht langwierig sind, wenngleich die Karthager mit der Zeit die Oberhand gewinnen werden. Links unten sind Teile der Reiterei beider Kontrahenten blutig aufeinander getroffen. Die römische Kavallerie ist unerwartet stark und hat, dank einer Reihe glücklicher Kampfwürfel, bereits die Hälfte der numidischen leichten Reiterei vernichtet!

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(6) Mittlerweile hat die römische Reiterei ihre karthagischen Kontrahenten praktisch ausgelöscht, unter minimalen eigenen Verlusten. Und Hannibal persönlich geriet gar unvermittelt in Gefahr, als einige Einheiten römischer Legionäre die Chance ergriffen hatten, den Feldherrn direkt anzugreifen (roter Kreis), was dieser aber überlebt hat. Aber auch für die Römer wird es an anderer Stelle nun prekär, da ihr Kommando mit den Auxilia-Truppen vernichtet wurde, bis auf dessen General, der tapfer noch bis zum Ende der Schlacht durchhalten sollte! Um die Lücke zu füllen, welche die Auxilia hinterlassen haben, senden die Römer ihre Triarii-Reserve aus dem Kommando 1 in Richtung des Ortes, an dem die Auxilia positioniert waren. Auch vorne rechts am Hügelrand kommt es zu Kämpfen, aber die römischen Legionäre verteidigen ordentlich gegen die anstürmenden Auxilia der Karthager. Die karthagische Schlachtreihe mit den Speerkämpfern und den Elefanten ist einstweilen am Fuß den Hügels zum Stillstand gekommen, noch unschlüssig, ob sie die Attacke wagen.

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(7) Die Endphase der Schlacht. Die karthagischen Speerträger und die Elefanten haben letztlich trotz der starken römischen Defensivstellung den Angriff den Hügel hinauf gewagt, da die karthagische Reiterei weitgehend ausgelöscht ist und den karthagischen Truppen auch auf der rechten römischen Flanke kein Durchbruch gelungen ist, trotz weiterhin schwerer Kämpfe dort. Die Speerträger und Elefanten sind jedoch nahezu chancenlos, weil die Römer nicht nur von einem Kampfbonus durch die erhöhte Hügelstellung profitieren, sondern die Karthager für ihre Truppen auch einen Kampfabzug aufgrund des rauen Geländes erhalten. Folgerichtig ist das Gros der Speerkämpfer und alle Elefanten nach kurzen, heftigen Kämpfen vernichtet, und die gesamte karthagische Armee bricht infolgedessen zusammen... Das Ende der Schlacht!

Es war eine sehr spannende Partie, wie ich sie in dieser Form noch nie erlebt hatte, da ich noch nie in einer so starken Defensivstellung, mit fast der gesamten Armee auf engstem Raum auf einem Hügel, positioniert war. Das war eine ungewohnte Situation, und gleich in der ersten Runde beging ich mit der Entscheidung, lieber eine Offensivschlacht zu schlagen, insofern auch einen großen Fehler - den ich aber sofort und ohne negative Konsequenzen für den weiteren Schlachtverlauf korrigieren konnte.

Die republikanische römische Armee gefällt mir sehr gut! Sie hat definitiv das Potential, sich zu einer meiner Lieblingsarmeen zu entwickeln. Mir gefällt die Kompaktheit bei gleichzeitiger Robustheit und ich bin gespannt, wie sie sich bei einer anderen Geländekonstellation schlagen wird. Die relative Unterlegenheit an Reiterei könnte sich in offenem Gelände noch zu einer spielerischen Herausforderung entwickeln...


Teutonic Orders vs Early Russians
25.07.2021

Am vergangenen Sonntag sind Franks Frühe Russen und mein Deutscher Orden in den eisigen Ebenen Russlands auf einer schönen, dazu passenden Wintermatte in einer 400-Punkte-Partie aufeinander getroffen. Um sogleich mit einer Ernüchterung zu beginnen und das Ergebnis vorwegzunehmen: Wir müssten aus Zeitgründen ca. ein bis zwei Runden vor dem vermutlichen Ende der Schlacht aufhören und haben uns auf ein Unentschieden geeinigt - bzw. Frank hat gemeint, ich hätte wohl gewonnen, während ich annehme, Frank hätte gewonnen... Also insofern ein faires und gerechtes Ende für ein ungemein spannendes und streckenweise nervenaufreibendes Gefecht.
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(1) Der Deutsche Orden war (wie fast immer) Angreifer und durfte als Zweiter aufstellen, die Russen haben verteidigt und mussten als Erste das Kampffeld beziehen. Als Geländeteile wählten beide Seiten ausschließlich Sümpfe (Marsh) - Frank legte drei mittelgroße, optisch schöne Geländestücke und ich einen großen, weniger schönen, aber ich wollte einen Sumpf in maximaler Größe als Flankenschutz, und der war nur in der Filzausführung verfügbar.

Franks Russen liefen mit drei Kommandos auf: Das erste Kommando bestand aus Cv (O), ein paar Kn (O) sowie LH (O) und wurde auf dem rechten russischen Flügel platziert. Das zweite, zentrale Kommando bestand aus einer ordentlichen Masse an Cv (O), während das dritte, linke Kommando ein reines Infanteriekommando war, das hauptsächlich aus Sp bestand, die beidseitig von Bw flankiert wurden; dazu gesellten sich einige Ax und Ps. Da die russische Armee von irregulären Generälen befehligt wird, erfolgt keine feste Zuordnung der PIP-Würfel.

Mein Deutscher Orden bestand aus drei Kommandos, wobei zwei davon identisch waren und hauptsächlich aus Kn (S) in der ersten Reihe bestanden, mit Kn (O) dahinter (ich habe in dieser Schlacht mal nicht mit der doppelbasierten Variante gespielt, weil diese keinen Quickkill gegen die Massen an Cv, die den Russen in ihren Armeen zur Verfügung stehen, haben). Außerdem gab es in den beiden Kommandos noch je drei LH (O) und eine Cv (I), die flexibel als Flankenschutz, zum Ausflankieren oder zum Lücken füllen eingesetzt werden können. Mein drittes Kommando (mit dem C-in-C) bestand ausschließlich aus Infanterie, und zwar einem Mix aus Sp, Bw, Ax, Ps und Hd zu je ungefähr gleichen Teilen. Dieses Kommando habe ich an dem großen Sumpf verankert, mehr oder weniger dem russischen Infanteriekommando gegenüber - seine Aufgabe sollte es sein, die russische Infanterie daran zu hindern, maßgeblich in der Schlacht einzugreifen. Denn die eigentliche Hauptaufgabe war den beiden berittenen Kommandos vorbehalten, die geradeaus stürmen und die Cv des zentralen russischen Kommandos zerschmettern sollte. Demgemäß hatte ich die PIP-Würfel folgendermaßen zugeordnet: Der höchste und mittlere PIP werden gemittelt und dem ersten und zweiten Kommando zugeteilt, der niedrigste PIP wird dem dritten Kommando zugeteilt.

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(2) Die ersten Runden der Schlacht verliefen dem Plan gemäß, da die russische Generalität insgesamt recht inaktiv war bzw. wenig dazu tat, ihre Truppen in günstigere Positionen zu manövrieren. Meine Kn stürmten rasch vor, wobei das linke Kommando etwas verzögert vorrückte, aus Furcht, russische Reiterverbände aus dem rechten Kommando der Russen könnten ihm in die Flanke fallen. Diese Furcht war jedoch unbegründet, da das rechte russische Kommando sich lediglich geradeaus vor bewegte - die Cv/Kn ziemlich langsam, die LH ganz außen etwas schneller. Ich habe entschieden, gegen dieses rechte Kommando der Russen nur meine LH-Verbände aus meinen beiden Reiterkommandos abzukommandieren und zu hoffen, dass insgesamt sechs LH (O) ausreichen, um meine linke Flanke solange zu sichern, bis die Kn in der Mitte einen Erfolg erringen! Mein rechtes Infanteriekommando ließ ich nur langsam vorrücken, weil sich auf der gegenüberliegenden Seite bei den Russen auch nichts tat und ich die Russen auf diesem Flügel nicht unnötig zu Aktionen provozieren wollte.

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(3) In dieser Phase der Schlacht sind die Truppen beider Seiten im Zentrum bereits aufeinander getroffen, wo es zu heftigen Kämpfen kam. Meine Kn aus dem zweiten Kommando haben es geschafft, eine ausreichende Menge an russischen Cv zu vernichten und infolge dessen durch die russischen Reihen hindurch zu brechen. Die Kn aus dem ersten Kommando sind aber beim Versuch, ebenfalls durchzubrechen, stecken geblieben. Insgesamt waren meine Kn nicht überaus motiviert (oder hinreichend trainiert oder wie auch immer), weil sie extrem schlecht gekämpft haben: Ich habe mindestens drei Kn (S) im Kampf gegen russische Cv verloren, weil sie von der Cv im Kampfergebnis gedoppelt wurden. Sehr ärgerlich!

Rechts sind Teile meiner Infanterie inzwischen weiter vorgerrückt und haben ebenfalls in den Kampf eingegriffen, da die Gefahr bestand, dass meine Kn in ihrer rechten Flanke von Teilen der russischen Infanterie, die sich mittlerweile in Richtung Zentrum bewegt hatten, bedroht würden. Auf meinem linken Flügel hat sich zu diesem Zeitpunkt nichts Wesentliches ereignet - ganz außen haben sich die LH der Russen und des Deutschen Ordens gegenüberliegend positioniert und belauern sich, während meine drei anderen LH damit beschäftigt sind, die zahlen- und kräftemäßig haushoch überlegenen Cv und Kn des ersten russischen Kommandos zu beschäftigen (die Kämpfe haben meine LH dort überlebt, mussten teilweise als Resultat aber fliehen).

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(4) Im Zentrum spitzen sich die Ereignisse in dieser Phase zu: Meine Kn aus dem ersten (linken) Kommando haben es weiterhin nicht geschafft, durch die russischen Cv-Verbände durchzubrechen. Die Verluste summierten sich, und schließlich ist dieses Kommando gebrochen. Doch auch die Verluste, die das russische zentrale Kommando durch die Attacken der Kn des Deutschen Ordens erleiden musste, führten schließlich dazu, dass auch das russische Kommando gebrochen ist.

Mein zweites Kn-Kommando war noch in gutem, einsatzfähigem Zustand und ist in dieser Phase der Schlacht dabei, sich neu zu formieren und nach rechts hin zu orientieren, um die russische Infanterie anzugreifen. Dasselbe Ziel verfolgen Teile meiner Infanterie. Auf diese Weise, so die Hoffnung, kann die russische Infanterie von zwei Seiten in die Zange genommen werden. Links ergeht es meinen LH, die bis hierhin ihre Aufgabe eigentlich zufriedenstellend erfüllt hatten, nicht gut - links außen erleiden sie Verluste gegen die mittlerweile vorgerrückten russischen LH, während die LH, die die russischen Cv/Kn in Schach hielten, infolge des erwähnten Brechens des Kommandos, dem sie zugeordnet sind, vom Schlachtfeld fliehen müssen. Die Russen haben dadurch auf ihrem rechten Flügel bis auf ein letztes verbliebenes meiner LH faktisch keinen Gegner mehr, bei voller eigener Kampfstärke.

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(5) Spät, aber möglicherweise nicht zu spät nutzen die Russen die entspannte Lage auf ihrem rechten Flügel und ziehen mit Teilen ihrer Reiterei in Richtung Zentrum, mit dem Ziel, den Deutschordenstruppen in den Rücken zu fallen. Inzwischen ist das zentrale russische Kommando "geshattered", was zur Folge hat, dass alle Truppen dieses Kommandos vom Schlachtfeld fliehen. Mein erstes (linkes) Kommando ist weiterhin "nur" gebrochen und verfügt Runde für Runde über ausreichend PIPs, um die verbliebenen vier Kn auf dem Schlachtfeld halten zu können (im blauen Kreis).

Rechts gehen meine Kn gemeinsam mit Teilen meiner Infanterie gegen die russische Infanterie vor und schaffen es relativ schnell, das russische Infanteriekommando in den Status "disheartened" zu versetzen. Leider habe ich für mein Infanteriekommando, dem ja der niedrigste PIP zugeordnet wurde, in dieser Phase der Schlacht zu wenig PIPs zur Verfügung, um alle Verbände dieses Kommandos effektiv einzusetzen. Zumindest die Sp und Bw tun weitgehend ihren Dienst; um die Ax und Ps wunschgemäß zu manövrieren reichen die PIPs oftmals nicht mehr.

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(6) Die Endphase der Schlacht. Jetzt rücken fast alle der verbliebenen russischen Reiterverbände in Richtung der Deutschordenstruppen vor. Dem Orden gelingt es lediglich, gegen diese Bedrohung von oben her zwei Kn, die um 180° gewendet haben, sowie von rechts her einige Ax und Bw aufzubieten. Dafür entwickelt sich die Situation gegen das russische Infanteriekommando für den Deutschen Orden weiterhin vorteilhaft: Die Kn und Sp des Ordens rücken erfolgreich vor, während die Russen dagegen lediglich mit einem Schwenk ihrer Sp-Linie antworten können, der aber die Gefahr eines Zangenangriffs durch die Ordenstruppen nicht maßgeblich bannt.

Wie oben erwähnt, wurde die Schlacht zu diesem Zeitpunkt abgebrochen. Der Ausgang stand in dieser Endphase "Spitz auf Knopf". Wäre es den Ordenstruppen gelungen, so schnell wie möglich ausreichend Infanterietruppen der Russen zu vernichten, so dass mit dem Brechen des ohnehin bereits dishearteten russischen Infanteriekommandos die gesamte russische Armee brechen würde? Oder wäre der russischen Reiterei, die von der linken Seite herangeeilt war, der entscheidende Schlag gegen die an diesem Ort nicht gerade vorteilhaft positionierten Truppen des Deutschen Ordens gelungen (dessen Verluste sich inzwischen auch der 50%-Marke näherten)? Es wäre in dieser Phase stark auf die Ergebnisse der Kampfwürfel angekommen, da für beide Kontrahenten nur einige wenige Kämpfe über das Schicksal der gesamten Armee entschieden hätten...

Ein spannendes und nervenaufreibendes Spiel in angenehmer Atmosphäre ⁣   


Seleucid vs Late Imperial Roman
27.06.2021

Am 27.06.2021 startete endlich die diesjährige Feldzugssaison, nach rund acht Monaten Pause. Meine neuen Seleukiden haben zum ersten Mal ein Schlachtfeld betreten und stellten sich Guidos spätimperialen Römern. Es war eine historisch nicht ganz akkurate Begegnung, denn zwischen beiden Armeen liegen mindestens 400 Jahre, allerdings haben die Seleukiden gegen die republikanischen Vorfahren der späten Römer tatsächlich gekämpft - und seinerzeit böse verloren. Auch meine Seleukiden haben in einer hart umkämpften Schlacht gehörig was einstecken müssen...


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(1) Ich war Verteidiger und favorisierte ein möglichst enges Schlachtfeld, weshalb ich einen Waterway und einen mittelgroßen Difficult Hill gelegt habe, hinzu gesellte sich noch ein mittelgroßer Good Hill, den ich wählte, um ggf. eine gute Stellung für Teile meiner Armee zu erhalten. Guido hat einen Rough Hill und ein flaches Rough-Geländestück gelegt, letzteres ungünstigerweise zentral in meiner Tischhälfte.

Obwohl Guido Angreifer war, musste er seine Armee zuerst aufstellen. Vor meiner Seite aus gesehen hat er links ein berittenes Kommando aus leichter Reiterei und Rittern platziert. Im Zentrum standen, leicht nach hinten versetzt, seine Legionäre sowie Kavallerie in der Reserveposition. Das rechte Kommando bestand aus Auxiliartruppen, die auf dem Hügel Stellung bezogen haben, und einer Abteilung leichter Reiterei hinter dem Hügel. Ich selbst habe auf dem linken Flügel ein Kommando platziert, das vor allem Ritter und leichte Reiterei enthielt, im Zentrum stand meine Phalanx (Pk (O) und Pk (S)) und auf dem rechten Flügel standen, etwas nach hinten versetzt, meine Thorakitai (Ax (S)) auf dem Hügel mit ein wenig leichter Reiterei daneben, sowie einige Ritter hinter dem Hügel.

Ich wollte mein Ritter-Kommando auf dem linken Flügel so offensiv wie möglich einsetzen und die gegenüberstehende römische Reiterei attackieren. Die Phalanx sollte auf gleicher Höhe parallel mit vorrücken. Ich habe die Gefährlichkeit der Legionäre für meine Phalangiten überschätzt, was mich davon abgehalten hat, die Phalanx als die eigentliche Offensivstreitmacht einzusetzen und die Reiterei stattdessen mehr zu schonen. Das rechte Kommando war vor allem mit der Aufgabe betraut, zu verhindern, dass meine Armee ausflankiert wird.

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(2) Meine Truppen sind links und im Zentrum bis fast an die römische Armee herangerückt. Noch bevor die Schlachtreihen aufeinander treffen, entsteht an der linken Flanke meiner Reiterei eine gefährliche Situation durch die in römischen Diensten stehenden hunnischen Söldner, die meiner für den Flankenschutz zuständigen leichten Reiterei qualitativ und quantitativ überlegen sind.

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(3) Links kommt es zu heftigen Kämpfen zwischen den seleukidischen und römischen Reiter-Verbänden. Meine Ritter bestehen nur aus einer einzigen Reihe, während sich die Römer mit ihrer Reiterei stellenweise in zwei Reihen formiert haben. Es gelingt mir nirgendwo der Durchbruch, stattdessen fressen sich meine Ritter in die römische Schlachtreihe hinein, was sie verwundbar macht. Zudem wird die Gefahr, links außen ausflankiert zu werden, für die Ritter immer größer. Zeitgleich hat meine Phalanx die nach hinten versetzten Legionäre immer noch nicht auf ganzer Linie erreicht. Rechts ist die Lage derweil noch ruhiger, aber auch hier formieren sich die Kontrahenten.

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(4) Mein linkes berittenes Kommando ist sehr rasch gebrochen und alle Einheiten, die bis dahin noch überlebt haben, ergreifen die Flucht. Das römische Reiter-Kommando hat praktisch keine Verluste zu beklagen, ist jedoch zu diesem Zeitpunkt überaus unorganisiert und in viele Einzelteile zerfallen. Das verschafft mir etwas Zeit, im Zentrum mit meiner Phalanx gegen die Legionäre vorzustoßen, was alles in allem recht erfolgreich ist. Ganz rechts außen dagegen entwickelt sich die Lage für meine berittenen Truppen, wie zuvor schon auf dem entgegengesetzten Flügel, nicht gut, da diese zwar erfolgreich, aber verwundbar sind und sich in gefährliche Positionen manövrieren.

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(5) Die römische Reiterei des von mir aus gesehen linken römischen Flügels hat sich reorganisiert und ist bereit, meiner Phalanx in den Rücken zu fallen. Diese ist zu diesem Zeitpunkt recht erfolgreich, läuft aber nun Gefahr, von drei Seiten attackiert zu werden, da auch einige Legionäre noch leben. Letztlich entscheidend ist die Situation ganz rechts außen, wo meine Ritter einer numerischen Übermacht gegenüberstehen und es mir nicht gelingt, ihre Flanken ausreichend zu schützen. Die Verluste summieren sich dort, was zur Folge hat, dass die komplette Armee schließlich bricht.

Ich habe das erste Mal mit einer hellenistischen Armee, die dazu noch aus meinen eigenen Figuren bestand, in dieser Konstellation gespielt. Es hat Spaß gemacht, wenngleich ich von Beginn der Schlacht an einen fragwürdigen Plan verfolgt hatte. Das berittene Kommando war gegen die tiefer aufgestellten Römer auf verlorenem Posten und zudem von Anfang an gefährdet, ausflankiert zu werden. Ich hätte sie wohl ebenfalls tiefer staffeln und als Unterstützung für das Phalanx-Kommando, das als die eigentliche Offensivstreitmacht hätte fungieren sollen, einsetzen sollen, statt umgekehrt. In gewisser Weise haben die Ritter ihre Attacke zu früh und die Phalanx ihren Angriff zu spät begonnen. Die Durchschlagskraft der Phalangiten gegen die Legionäre hatte ich tatsächlich ebenso unterschätzt wie die Verwundbarkeit der Ritter...


Teutonic Orders vs Fatimid Egyptian
18.10.2020

Am 18.10.2020 kam es zu einem Aufeinandertreffen der Armeen der Fatimiden, von Guido kommandiert, und meinem Deutschen Orden. Die Ordenstruppen sind in Ägypten eingefallen, die Fatimiden waren folglich die Verteidiger und wählten einige Dünen und etwas flaches, raues Gelände. Eine der Dünen wurde im Aufmarschgebiet der Ordensarmee platziert, aber zu weit nach hinten, um die Aufstellung der Ordenstruppen ernsthaft zu behindern. Der Deutsche Orden legte einen großen Sumpf, der als Flankenschutz auf der eigenen Hälfte des Schlachtfelds geplant war, aber auf der Hälfte der Fatimiden landete. In der Mitte war alles frei, was den berittenen Ordensverbänden sehr gelegen kam.

(1)

(1) Die Fatimiden stellten ihre Armee zuerst auf. Sie platzierten ihre Infanterie, die hauptsächlich aus Bd (I), ein paar Bd (X) sowie einigen Ax (S), die von Ps unterstützt wurden, bestand, in einer Linie auf. Rechts stand ein größeres Kommando berittener Truppen aus Cv (S), Cv (O) und LH, links standen auch einige Berittene (Cv (O)), aber weniger. Außerdem besetzten sie ganz links noch eine Düne mit ein paar leichten Plänklern. Die Infanterie der Fatimiden bestand durchgängig aus Truppen, die ganz gut gegen Ritter gewappnet sind, entweder durch Rear Supports oder, im Falle der Bd (X), durch einen Quick Kill.

Die Ordensarmee bestand aus einem C-in-C-Kommando mit Infanterie (Bogenschützen, Speerträgern und Plänklern) und Leichter Reiterei, sowie zwei mehr oder weniger identischen Kommandos mit schweren Rittern, überwiegend im Keil formiert.

Der Plan war einfach: Mit den Ordensrittern so schnell wie möglich nach vorne stürmen und so viele gegnerische Truppen in so kurzer Zeit wie möglich vernichten. Das Infanteriekommando sollte mit vorrücken und zumindest die linke Seite der Ritterlinie schützen, wobei die leichte Infanterie die Düne klären sollte. Die Leichte Reiterei war dazu vorgesehen, den Rücken der Ritter freizuhalten. Die rechte Seite der Ritterlinie würde wohl oder übel recht ungeschützt sein.

(2)

(2) Die Schlacht begann - erwartungsgemäß, möchte man sagen - mit dem Vorrücken der Reiterei des rechten Flügels der Fatimiden, um die rechte Flanke der Ordensarmee zu bedrohen. Dagegen hat die Ordensgeneralität die Leichte Reiterei aus dem linken Kommando eiligst entsandt sowie zwei Einheiten Kavallerie aus dem rechten Ritterkommando abkommandiert. Auf der linken Seite machten sich vier fatimidische Kavallerie-Einheiten auf den Weg um die Düne herum, um die Ordensarmee auch auf dieser Seite zu bedrohen.

Der Blick von oben auf das Schlachtfeld ergab das Bild einer drohenden Einkesselung der Ordensarmee, und sie hätte Grund gehabt, alle Hoffnung fahren zu lassen. Aber die schweren Ordensritter hatten ihr Ziel vor Augen und sind Runde für Runde weiter vorausgestürmt, immer geradeaus, der gegnerischen Infanterielinie entgegen...

Zwischenzeitlich konnten die Ordens-Plänkler die Düne vollständig von den fatimidischen Plänklern säubern, aber das war nur ein Nebenkriegsschauplatz. Auch die Kavallerie-Einheiten, die der Fatimiden-General auf der linken Seite um die Düne herum geschickt hatte, erwies sich nicht wirklich als große Gefahr - im Verlauf der Schlacht konnten zwei der vier Kavallerie-Einheiten ausgeschaltet werden.

Auf der rechten Seite sah die Lage kritischer aus, da die Fatimiden mit einer Übermacht an Reiterei die Flanke der Ordensarmee bedrohten, aber dennoch gelang es der fatimidischen Reiterei nicht, hier durchzubrechen, ja, es wurde eigentlich nicht einmal der Versuch eines konzertierten Angriffs auf die Leichte Reiterei der Ordensarmee unternommen (So stellte es sich zumindest aus Sicht der Ordensgeneralität dar. Ob es an mangelndem Elan, mangelnden PIPs oder sonst woran lag, wagt die Ordensgeneralität im Nachhinein nicht mehr einzuschätzen).

(3)

(3) Schließlich kam es im Zentrum zum Zusammenprall. Es waren harte, blutige Kämpfe. Die fatimidischen Bd (X) wurden vollständig vernichtet, und auch die Bd (I) und Ax (S) mussten Verluste hinnehmen. Aber auch die Ordensritter büßten an Männern und Pferden ein, vor allem am rechten Ende der Linie, wo ein effektiver Flankenschutz aus Mangel an Truppen nicht möglich war und die Ritterlinie bedroht war, aufgerollt zu werden. Das Ziel der Ordensritter war deshalb, innerhalb der Zeit, die die Schlacht mutmaßlich noch dauern würde, so viel Schaden wie möglich zu verursachen, so dass die gegnerische Armee bestenfalls eine Runde früher gebrochen wird, als die eigene.

(4)

(4) Und das ist im Prinzip auch genauso aufgegangen: Mit viel Glück gelang es einem der Ritterkeile, einen gegnerischen General umzubringen! Der Fatimiden-General hatte in der Runde zuvor einen Ritterkeil des Ordens vernichtet, aber für den Preis, dass er nun isoliert stand und mit einem Ritterkeil plus Overlap attackiert werden konnte. Der Verlust des Generals führte dazu, dass sein Kommando gebrochen wurde, und die Übertragung der Strafpunkte ließ die gesamte Armee der Fatimiden zusammenbrechen.

Ein knappes und auch unerwartet glückliches Ende für den Deutschen Orden! Noch eine Runde länger hätte die Ordensarmee wahrscheinlich nicht durchgehalten!

Einzig mit der Leistung der Ordens-Infanterie war ich nicht ganz so zufrieden. Einerseits war sie auf dem Nebenkriegsschauplatz in der Düne erfolgreich und konnte auch den Einfall der fatimidischen Kavallerie links aufhalten, aber die Mehrzahl der Speerträger und Bogenschützen stand mehr oder weniger einfach rum (wobei die Bogenschützen wenigstens in Schussdistanz standen, allerdings keinen Schaden erzielten). Andererseits sah ich auch keinen Grund, diese Truppen in den Kampf zu werfen, da die linke Seite der Ritterlinie ganz gut geschützt war und sich als Gegner nur Bd anboten, die sogar noch von zwei Irr Kn begleitet wurden. Da hielt ich es für klüger, die Infanterie einfach zurückzuhalten und auf den Erfolg der Ordensritterkeile zu setzen. Wie dem auch sei, ich werde trotzdem auf jeden Fall ab jetzt wieder häufiger Ordensarmeen mit einer Infanterie-Komponente spielen, nachdem ich die ganzen letzten Partien mit dem Deutschen Orden immer reine Reiterarmeen aufgestellt hatte...

Es war eine sehr spannende und von beiden Seiten flüssig und stringent gespielte Partie. Diese Partie hat mich gelehrt, dass man nicht die Nerven verlieren sollte, auch wenn sich die Schlinge zuzieht. Ruhig zu bleiben und seinen Plan zu verfolgen, wagemutig weiter vorzustürmen und dann eben auch mal - in so einer Partie wie dieser, in der es "Spitz auf Knopf" steht - auf das nötige Quäntchen Glück zu hoffen, hat sich ausgezahlt.

So dass ich resümierend die Partie unter das Motto stelle: Dem Mutigen hilft das Glück!


Early Byzantine vs Later Pre-Islamic Arab
12.07.2020

Am 12.07.2020 fand eine der spannendsten Partien der letzten Zeit statt! Meine neuen Early Byzantines traten in einem historisch korrekten, im 6. Jahrhundert n. Chr. angesetzten 400-Punkte-Match gegen Guidos Later Pre-Islamic Arabs an. Die Byzantiner sind hochmotiviert gestartet und wurden dennoch leider vernichtend geschlagen ⁣⁣   Sie konnten in keiner Phase ihre eigentliche Stärke, die Beweglichkeit, ausspielen, weil das Gelände extrem ungünstig lag und die Araber sich sehr gut positioniert hatten. Außerdem waren ihre Kampfergebnisse durchweg so schlecht, wie ich es selten in einem Spiel erlebt habe - sehr frustrierend!

(1)

(1) Die Araber mussten als Erste aufstellen und positionierten sich quasi über die ganze Breite des Schlachtfelds. Die Armee bestand hauptsächlich aus Blades (Inferior), außerdem führten sie Bows, Psiloi, Cavalry und Light Horse mit. Und zwar, da sie irreguläre sind, eine ganze Menge, verteilt auf vier Kommandos (inkl. Allierten). Die reguläre und somit vergleichsweise kleine byzantinische Armee stellte als Zweites auf. Sie bestand aus drei Kommandos: 1. Cavalry und Light Horse (beide Superior), 2. Light Horse und Psiloi (beide Superior), 3. Blades und Psiloi (erstere Inferior, letztere Ordinary). Kommando Nr. 1 war das C-in-C-Kommando.

Der Plan der Byzantiner war, auf der rechten Seite, wo vergleichsweise mehr Platz war und keine schwere arabische Infanterie stand, mit der Reiterei die Entscheidung zu suchen, während die Blades eine Defensivstellung gegen die linke Seiten einnehmen sollten. Leider musste das Kommando Nr. 1 mit der Cavalry und den Light Horse zuerst einen Rough Hill durchqueren, um nach rechts zu eilen, was einiges an Zeit beanspruchte. Während dessen konnten sich die Araber auf der rechten Seite gut positionieren. Außerdem gelang es den Arabern, ihre schwer zu manövrierenden irregulären Blades trotzdem auf einen langen Marsch nach rechts in Richtung der byzantinischen Blades zu schicken. Hier hatten es die Byzantiner versäumt, ein paar Einheiten als Marschbremse aufzustellen. Die wenigen byzantinischen Blades mussten notgedrungen Stellung gegen die heranrückenden arabischen Blades einnehmen und das Beste hoffen.

(2)

(2) Die heraneilende Masse der arabischen Blades bewirkte die folgenschwerste Fehlentscheidung auf Seiten der Byzantiner, nämlich das Kommando Nr. 1 zu teilen und die Cavalry Superior, die beste Truppe der Byzantiner, nach links rüber zu den Blades zu schicken, um potentiellen Durchbrüchen der Araber entgegenwirken zu können. Damit hat die Cavalry letztlich am Kampf kaum teilgenommen.

Die byzantinischen Light Horse der Kommandos Nr. 1 und 2 positionierten sich am rechten Tischrand mehrere Reihen tief gestaffelt in Angriffsposition gegenüber der arabischen Reiterei. Aber die Light Horse der Byzantiner haben es, obwohl sie in großer numerischer Stärke antraten, dort nicht geschafft, größeren Schaden anzurichten, zumal die Araber geschickt ihre Cavalry durch ihre eigenen Light Horse nach vorne hindurch bewegt haben. Nicht einmal ihr Superior-Status hat den byzantinischen Light Horse aufgrund der durchgängig miesen Kampfergebnisse hier geholfen...

(3)

(3) Die byzantinischen Blades wurden hart attackiert, aber der arabische Angriff war doch nicht so verheerend, wie erwartet. Die byzantinischen Light Horse oben rechts griffen immer wieder an, aber verloren die meisten Kämpfe und wurden nach und nach dezimiert. In der Mitte waren die meisten der byzantinischen Cavalry, die zur Unterstützung der Blades doch nicht in voller Stärke gebraucht wurden, in Angriffstellung formiert, aber die Situation auf Seiten der Araber, die sich im Schutz einer Düne positioniert haben, ließ einen sinnvollen Angriff nicht zu...

(4)

(4) Die byzantinischen Blades haben dem Ansturm der Araber im Zentrum zwar gut standgehalten, aber auf der rechten Seite waren nach den verlustreichen Kämpfen kaum noch byzantinische Light Horse übrig geblieben. Die byzantinische Cavalry steht in der Mitte immer noch unangetastet, aber nutzlos, herum. Das Light-Horse-Kommando Nr. 2 wurde schließlich gebrochen und die Verluste an anderen Stellen summierten sich (das byzantinische Lager wurde schließlich ebenfalls angegriffen), so dass die byzantinische Niederlage total war.

Das Spiel hat trotz des Ergebnisses viel Laune gemacht und ich freue mich auf die nächste Partie mit den Byzantinern! Vielleicht können sie dann ihre Stärke besser ausspielen, und mit fortschreitender Übung beherrsche ich die Armee dann hoffentlich auch immer besser...


Italian Condotta (Venetian) vs Medieval German
28.06.2020

Am 28.06.2020 war es endlich so weit und meine neue Armee der Serenissima Repubblica di San Marco, vulgo: Venedig, erhielt ihre Feuertaufe. Leider haben sie sie nicht bestanden. Dennoch war es eine der spannendsten 240-Punkte-Schlachten seit langem, und noch dazu in einer historisch korrekten Konstellation: Meine Venezianer-Liste entstammte dem Zeitraum nach 1496, Jan ließ seine "Medieval Germans" nach 1486, angeführt von Georg von Frundsberg, aufmarschieren, der tatsächlich 1513 eine numerisch überlegene venezianische Armee geschlagen hatte (der bekannte Spruch "Viel Feind', viel Ehr'!" wurde damals von ihm als Wahlspruch gewählt). Trotzdem wäre es mir lieber gewesen, das Resultat nicht ganz so historisch korrekt zu simulieren, zumal meine Venezianer nicht einmal zahlenmäßig überlegen waren ;-)

Ich wollte den Truppentyp "Schützen" (Shot) ausprobieren, den ich noch nicht kannte, und nahm das Maximum (6 Elemente), mit. Außerdem hatte ich noch Piken (Pk (O)) und Ritter (Kn (O)). Jans deutsche Armee bestand hauptsächlich aus Piken (Pk (O)), einigen irregulären Schwertkämpfern (Bd (O)) und Rittern (Kn (O)). Ich war Verteidiger und musste als Erster aufstellen. Als Gelände legte ich ein mittelgroßes Enclosed Field, um meine Flanke zu schützen (die beiden kleinen Weinberge, die ich noch wählte, konnten nicht gelegt werden); Jan legte einen kleinen Difficult Hill und einen kleinen Rough Hill.

(1)

(1) Ich positionierte mein Pikenkommando links (ihre linke Flanke wurde vom Enclosed Field geschützt). Rechts daneben und ein wenig nach hinten versetzt meine Schützen, in deren Kommando außerdem noch je zwei Elemente Schwertkämpfer (Bd (F)) und Plänkler waren. Meine Ritter, die außerdem von drei Elementen leichter Reiterei begleitet wurden, standen hinter dem Schützenkommando. Mein Lager befand sich weit links hinten, mit Weinfässern und so, wie es sich für Italiener gehört! Dem Schützenkommando hatte ich die höchsten PIPs zugeteilt, dem Ritterkommando die zweithöchsten, dem Pikenkommando die niedrigsten.

Jan platzierte seine Piken exakt meinen gegenüber. Rechts daneben standen seine Schwertkämpfer, die von vielen Plänklern (die noch weiter rechts standen) begleitet wurden. Hinten mittig zwischen beiden Kommandos standen seine Ritter in einer Marschkolonne formiert.

Mein Plan bestand darin, mit meinen Rittern ganz rechts außen über den kleinen Rough Hill drüber zu reiten und den Deutschen in die Flanke zu fallen (meine beiden Plänkler sollten den Hügel vorab besetzen und die Flanke meiner Ritterkolonne sichern). Die Schützen sollten sich, flankiert von den Schwertkämpfern, in eine möglichst gute Position bewegen, wobei sie von der leichten Reiterei aus dem Ritterkommando unterstützt werden sollten. Die zahlenmäßig unterlegenen Piken links sollten möglichst so lange gegen die deutschen Piken aushalten bzw. verzögern, bis rechts eine Entscheidung gefallen war.

Da ich den ersten Zug hatte, begann ich also recht aktionistisch und am Anfang auch noch ebenso zuversichtlich, ihn in die Tat umzusetzen.

(2)

(2) (1) Meine Ritter haben den Rough Hill fast überquert, die beiden Plänkler tun gute Dienste, indem sie deren Flanken schützen. (2) Die deutschen Schwertkämpfer haben sich schräg ausgerichtet. Ich sehe leider keine andere Möglichkeit für meine Schützen, als sich Ihnen entgegen zu stellen. (3) Die leichte Reiterei eilt herbei, um sich den Schützen anzuschließen. (4) Die Piken haben sich um 180° gedreht und weichen leicht zurück, um Zeit zu gewinnen.

(3)

(3) (1) Die Ritter haben sich endlich in Angriffsstellung formiert - leider mindestens eine Runde zu spät. (2) Meine beiden Schwertkämpfer wurden von deutschen Rittern vernichtet (immerhin ist es einem von ihnen gelungen, zuvor einen doppelbasierten deutschen Elite-Ritter zu vernichten). Mein General wird gerade in die Zange genommen und hart flankiert. Diesen Kampf wird er nicht überleben. (3) Von meinen Schützen ist nicht mehr viel übrig, die deutschen Schwertkämpfer haben ihnen den Garaus gemacht. Das Schützenkommando ist damit gebrochen. (4) Die leichte Reiterei hält tapfer gegen die deutschen Piken aus; sie wird immer wieder zurückgeworfen und greift dann erneut an. (5) Das deutsche Pikenkommando hat sich geteilt. Der kleinere Teil kämpft gegen mein Pikenkommando. Leider bin ich nicht so viele Reihen tief gestaffelt wie die Deutschen und habe damit weniger Kampfkraft, aber ich kann links überlappen und nächste Runde sogar hart flankieren.

(4)

(4) (1) Meine Attacke mit den Rittern kommt zu spät und ist ziemlich unkoordiniert. Ich kann nicht mit allen Rittern zugleich angreifen, weil ich noch deutsche Plänkler aus dem Weg räumen musste. Dadurch stehen einige Ritter vereinzelt und werden nächsten Runde von deutschen Rittern im Verbund mit Schwertkämpfern in die Zange genommen. (2) Von meinem Schützenkommando ist nichts mehr übrig, außer einem fliehenden Plänkler. (3) Eines von drei Elementen leichter Reiterei musste mittlerweile gegen die deutschen Piken dran glauben, die beiden anderen wurden in dieser Phase weit zurückgeworfen, aber sie leben noch! (4) Am linken Rand der Schlacht geht der Pikenkampf weiter. Leider hatten nicht alle von mir hart flankierten Angriffe Erfolg. Es steht gerade unentschieden: zwei deutsche Piken und zwei venezianische Piken sind vernichtet.

(5)

(5) Der Endstand. (1) Von meinem Ritterkommando ist nicht mehr viel übrig. Auch der C-in-C wurde inzwischen vernichtet. Man sieht bei den mit Sternchen * markierten Positionen noch, wo die deutschen Ritter meine Ritter hart flankiert und ausgelöscht haben. (2) Die deutschen Piken gewinnen gegen meine Piken allmählich die Oberhand, da sie viele Einheiten aus der rechten Pikengruppe, die außer den beiden venezianischen leichten Reitern keine Gegner mehr haben, nach links abziehen.

Die Schlacht ist beendet, die Armee der Serenissima ist gebrochen!

Die Schlacht war wirklich überaus spannend und wurde mit großem Tempo geführt, in jeder Runde ging es zur Sache, ohne dass Langeweile aufkam. Es begegneten sich zwei sehr ähnliche Armeen des europäischen Spätmittelalters, was in einem recht ausgeglichenen Spiel mit viel Taktiererei auf beiden Seiten resultierte. Ich hoffe, Jan und ich werden noch oft in einer ähnlichen Konstellation aufeinander treffen, zumal diese Armeen viele Variationsmöglichkeiten auf beiden Seiten, was die Truppenzusammenstellung betrifft, bieten!

Ich bin ziemlich forsch vorgegangen, aber immerhin nicht total planlos, was mir lieber ist als früher, als ich manchmal ohne rechten Plan nur zögerliche Züge unternommen habe.

Der Ritterzug über den Hügel hinweg war mutig und hat die deutsche Generalität ein wenig überrascht, aber er erreichte leider erst so spät sein Ziel, dass mein Schützenkommando in der Mitte bereits gebrochen war. Ich hatte damit gerechnet, dass Jan alle seine Ritter gegen meine, die über die rechte Flanke anrückten, positionieren würde. Statt dessen hat er einige Ritter verwendet, um meine beiden Schwertkämpfer zu vernichten, die ansonsten den Schützen hätten Hilfestellung leisten können. Mit den Schützen hätte ich nicht so rasch vorpreschen, sondern verzögern sollen. Ich muss definitiv noch üben bzw. experimentieren, wie ich die Schützen am effektivsten einsetzen kann. Ich weiß natürlich auch, dass es dumm ist, sie ausgerechnet gegen Schwertkämpfer (Blades) einzusetzen, habe aber "in der Hitze der Schlacht" angesichts der Gesamtsituation keine andere Möglichkeit gesehen... Alles in allem ganz gut lief es auf der linken Seite, wo die deutschen Piken recht lange gegen eine venezianische Unterlegenheit in Schach gehalten wurden.


Teutonic Orders vs Early Russians
21.06.2020

Am 21.06.2020 gab es das erste DBMM-Spiel nach fast vier Monaten Corona bedingter Pause. Mein Deutscher Orden trat gegen Franks Frühe Russen an, für letztere Armee, die soeben fertig bemalt worden war, war es die allererste Bewährungsprobe auf dem Feld. Wir haben 240 Punkte gespielt, was ich mit dem Deutschen Orden ungern mache, weil ich die doppelbasierten Ritter im Keil dann nicht einsetzen kann/will.

Ich habe eine reine Reiterarmee aufgestellt, natürlich überwiegend aus Rittern, mit Unterstützung von einiger Kavallerie und leichter Reiterei. Leider habe ich einen irregulären Ritter mitgeführt (um auf das Maximum an Rittern zu kommen, und weil die ME-Verteilung dadurch optimal war), der sich bzw. die ganze Gruppe, der er zugeordnet ist, schwerfälliger manövrieren lässt, als der reguläre Rest, solange er nicht geradeaus reitet - aber ich bin das Risiko eingegangen, da er dem C-in-C-Kommando mit den höchsten PIPs zugeordnet war und ich sowieso nur vorhatte, geradeaus zu stürmen. Franks Russen waren bis auf zwei Ritter komplett irregulär und bestanden hauptsächlich aus Kavallerie sowie Speerträgern nebst einigen Bogenschützen.

Meine Ritter haben einen "Quickkill" gegen Kavallerie, von daher war mein Plan, die Kavallerie möglichst schnell und frontal zu überrennen; die russischen Speerträger, die sich nur sehr schwerfällig manövrieren lassen, wollte ich möglichst so lange ignorieren, bis die Ritter mit der Kavallerie fertig sind.

(1)

(1) Frank war Verteidiger, ich war Angreifer. Ich habe zwei kleine Sümpfe gelegt (einen mittig auf Franks Seite, einen an meiner linken Seite), Frank legte einen mittelgroßen Wald auf meiner Seite. Die Russen mussten zuerst aufstellen, was sehr vorteilhaft für die Ordenstruppen war.

Die Ordenstruppen, die als Zweites aufstellen mussten, haben ihre Truppen vollständig auf der linken Seite konzentriert. Die Russen mussten als Erstes aufstellen und haben ihre Truppen über das gesamte Feld verteilt platziert (ganz links die leichte Reiterei, links und rechts die Kavallerie, dazwischen Speerträger).

Die Ausgangslage stellte sich also als sehr vorteilhaft im Sinne meines Plans dar. Voraussichtlich konnte ich mich erst einmal in Ruhe um das linke Kavallerie-Kommando der Russen kümmern, indem ich einfach geradeaus voran stürme. Die russische leichte Reiterei ganz links außen würde von meiner gegenüber platzierten leichten Reiterei in Schach gehalten, die Speerträger standen recht "nutzlos" in der Gegend herum, und die russische Kavallerie auf der rechten Seite war weit weg.

(2)

(2) Nach ein paar Zügen hatten die Ordensritter und die leichte Reiterei die russische Kavallerie bzw. russische leichte Reiterei erreicht und die Kämpfe begannen. Sie waren anfangs doch zäher als erwartet, aber schließlich bekam der Orden die Oberhand. Die russische leichte Reiterei wurde vernichtet und die Kavallerie nach und nach aufgerieben.

Die russischen Berittenen vom rechten Flügel machten sich auf den Weg zur Unterstützung des linken Flügels, was länger dauerte, als erwartet, da es noch zu Koordinierungsproblemen mit den beiden russischen Rittern kam. Die russischen Speerträger versuchten, sich umzuorganisieren, um sich der linken Hälfte des Schlachtfelds zuzuwenden, aber bedingt durch deren Irregularität verbrauchte dieser Versuch endlos viele PIPs, und die Sache ging sehr langsam voran. (Und, nicht zu vergessen, zwei Elemente russische leichte Reiterei machten sich auf der rechten Seite um den Wald herum auf den weiten Weg zum Lager der Ordenstruppen, kamen aber aufgrund von PIP-Notstand ebenfalls nicht allzu schnell voran und wurden von der Ordensgeneralität zwar beobachtet, aber erst einmal ignoriert.)

(3)

(3) Der Plan war bis jetzt also ziemlich gut aufgegangen, trotzdem wurde es im letzten Drittel der Schlacht noch einmal kritisch, als der Platz am linken hinteren Rand des Schlachtfelds immer enger wurde, die ganze Situation immer chaotischer wurde und sich die Gruppen mehr und mehr in Einzelelemente auflösten. Hier hatten die Ordensgeneräle Probleme, die Truppen so zu organisieren, dass nicht doch noch alles durch unvorsichtige Angriffsmanöver riskiert wurde, indem die vereinzelten Ritter-Elemente Opfer von russischen Flanken- oder gar Rückenangriffe wurden. Die Armeen des Deutschen Ordens sind im Allgemeinen so organisiert, dass schon der Verlust einiger weniger, hochwertiger Truppen der ganzen Armee das Genick brechen kann. Sogar der Hochmeister (C-in-C) der Ordenstruppen selbst stand kurz davor, umzingelt zu werden durch die von der rechten Seite nachrückende russische Kavallerie.

(4)

(4) Mit viel Glück und ein wenig Können konnten die Ordenstruppen alle brenzligen Situationen entschärfen. Dann war die Schlacht rasch zu Ende: Oben sind fast alle berittenen Russen vernichtet, die russischen Speerträger stehen quasi unangetastet da, aber sie konnten nichts bewirken. Links haben sich Ordensverbände aus leichter Reiterei und Kavallerie formiert, um den Speerträgern in den Rücken zu fallen oder die beiden russischen leichten Reiter zu attackieren, die im Laufe der Schlacht um den Wald herumgeritten sind. Die russische Armee ist gebrochen, die Verluste des Deutschen Ordens betrugen 3 Ritter (1 Kn (S), 2 Kn (O)) und 2 leichte Reiterei (2 LH (O)).

Frank und ich haben beide wieder einiges gelernt! Die Russen waren in ihrer ersten Feuertaufe nicht sonderlich erfolgreich, aber es war ihr erster Einsatz gegen eine Armee, mit der ich mittlerweile schon über etwas Erfahrung verfüge, und die Russen sind eine schwer zu spielende Armee, für die man erst mal Erfahrung sammeln muss. Die Konstellation Ritter vs Kavallerie war schon sehr unglücklich für die Russen.

Ich selbst habe, vor allem in der Anfangsphase, einiges richtig gemacht dieses Mal (im Unterschied zu den meisten früheren Spielen), aber nach wie vor das Problem, das Ganze dann auch bis zum Ende richtig durchzuziehen: Mit der Organisation auf der Mikroebene in den Spätphasen der Schlachten, wenn das Chaos um sich greift und sich die Kommandos in Einzelelemente auflösen, habe ich immer noch Probleme (zumal die Konzentration nach stundenlangem Gefecht auch nachlässt). Und wieder, wie fast jedes Mal, kam ich in die Situation, dass mindestens eines der Kommandos recht planlos umherzieht und ich gar keine richtige Aufgabe im Spiel dafür finde (in diesem Fall das kleinere der beiden Ritterkommandos).

Wenigstens konnte ich bei dieser Schlacht die Erfahrung sammeln, von Anfang an einen Plan zu haben, der im Prinzip auch durchgezogen wurde und funktioniert hat - was sonst leider nicht immer der Fall ist...


Teutonic Orders vs Burgundian Ordonnance
23.02.2020

Jans Burgunder waren die Invasoren, mein Deutscher Orden hat verteidigt. Das Gelände lag günstig für mich, mit einem großen Sumpf auf Seiten der Burgunder, der ihr Aufmarschgebiet praktisch geteilt hat, außerdem lagen einige Wälder auf der rechten Seite des Schlachtfelds. Links lag gar kein Gelände.

(1)

(1) Die Burgunder mussten, obwohl sie Invasoren waren, trotzdem als Erste aufstellen. Der Burgunderherzog Karl der Kühne ist ein Inert-General, weshalb er eine relativ große Anzahl an Truppen ins Feld führen konnte. Von links nach rechts (aus der Perspektive des Deutschen Ordens) standen zwischen linker Tischkante und dem Sumpf: ca. 20 Pk (O), ca. 10 Bw (X), 7 Art (O/I). Im Sumpf standen noch ein paar Bw (O) und Plänkler. Rechts vom Sumpf stand ein Kommando mit überwiegend Kn (O) und einigen LH.

Der Deutsche Orden hat von links nach rechts ein Kommando mit 7 LH (O) und 3 Kn (S), zwei Kommandos mit je 3 doppelbasierten Kn (S) und 4 Cv (O) bzw. Cv (I) und dahinter versetzt ein Kommando mit 5 alliierten Medieval German Kn (O) aufgestellt. Ein Lager hat der Orden nicht mitgeführt.

Das LH (O)-Kommando sollte die Pk (O) beschäftigen, eines der Kn (S)-Kommandos sollte versuchen, frontal durch die Bw (X) (die im Nahkampf als Sp (O) gelten) durchzubrechen. Das alliierte Kn (O)-Kommando habe ich nach rechts geschickt, um die burgundischen Kn (O) in der Engstelle zwischen dem Sumpf und dem Wald abzufangen und möglichst lange aufzuhalten. Leider wusste ich nicht so recht, was ich mit dem zweiten Kn (S)-Kommando anfangen sollte, denn ich wollte damit weder die Art (O/I) noch die Pk (O) attackieren. Ich habe es trotzdem zuerst nach links rüber geschickt, falls sich gegen die Pk (O) eine Gelegenheit ergibt...

Die LH (O) haben die Pk (O) ordentlich unter Druck gesetzt. Leider ist ganz zu Beginn ein zweimaliger Versuch, hart zu flankieren, fehlgeschlagen. Trotzdem habe ich die ganze Partie über nur 2 LH (O) gegen die Pk (O) verloren und konnte einige Pk (O) vernichten, da ich diese durch einen schnellen Angriff in einem Zustand, in dem sie noch nicht vollständig formiert waren, erwischt hatte und es somit auch mal Overlaps zu meinen Gunsten gab. Insgesamt haben die LH (O) die ganze Schlacht über immer wieder attackiert und die Pk (O) stetig ausgelaugt.

(2)

(2) Das eine Kn (S)-Kommando konnte sehr rasch erfolgreich durch die Bw (X) durchbrechen. Sie mussten eine Runde Beschuss durch die Bw (X), die im Fernkampf als Bw (S) gelten, über sich ergehen lassen. (Ich weiß gerade nicht mehr, ob ich von den mitkämpfenden Cv (O) welche durch Beschuss eingebüßt hatte oder in späteren Kämpfen, zumindest wurden im Laufe der Schlacht 3 der 4 Cv (O) aus diesem Kommando vernichtet...)

(3)

(3) Leider haben die alliierten Kn (O) viel kürzer gegen die aus der rechten Hälfte anrückenden Kn (O) durchgehalten, als gedacht, und wurden schließlich vollständig aufgerieben. Ich habe deshalb mein zweites Kn (S)-Kommando, das schon auf dem Weg nach links war, zurückbeordert, um sich den Kn (O) in den Weg zu stellen, bevor sie mir in den Rücken fallen können. Inzwischen haben das andere Kn (S)-Kommando und die LH (O) so viel Schaden anrichten können, dass die burgundische Armee bereits kurz vorm Zusammenbrechen war.

Ich wollte deshalb mit meinen Kn (S) gegen die von rechts vorrückenden Kn (O) nur verzögern und mich nicht mehr dem Kampf stellen, weil ich befürchtete, aufgrund der breiteren Front der gegnerischen Kn (O) von diesen hart flankiert zu werden. Hier ist leider ein ärgerlicher Fehler passiert, der weder mir noch Jan während des Spielens aufgefallen war und mir erst am nächsten Tag beim Nachlesen der Regeln bewusst wurde: Ich habe meine doppelbasierten Kn (S) mittels Einzelelementbewegung vor den Kn (O) zurückbewegt, aber vergessen, dass eine derartige Rückwärtsbewegung eines Doppelelements 2 PIPs statt 1 PIP kostet.

(4)

(4) Die Burgunder wurden noch zwei oder drei Runden im Zentrum weiter dezimiert, die LH (O) attackierten die Pk (O) nun auch im Rücken. Als nächstes wäre die burgundische Art (O/I) quasi schutzlos den Angriffen der Kn (S) ausgesetzt gewesen, aber die Schlacht wurde an dieser Stelle durch Kapitulation der Burgunder beendet.

Ohne den PIP-Fehler bei der Rückwärtsbewegung hätte ich mich mit meinen Kn (S) dem Kampf mit den anrückenden Kn (O) gestellt. Ich hatte auch noch eine Cv (I), um eine Flanke von den Kn (S) zumindest eine Runde lang zu decken. Es wäre dann auf das ausgewürfelte Kampfergebnis angekommen - ob meine Kn (S) in der ersten Kampfrunde erfolgreich gewesen wären oder die burgundischen Kn (O) dem Ansturm standgehalten hätten und meine Kn (S) auf kurz oder lang hätten flankieren und gegebenenfalls somit vernichten können. Das hätte meine Verluste dann eventuell so in die Höhe getrieben, dass die Burgunder die Schlacht gewonnen hätten. Es wäre auf jeden Fall ein knappes Ergebnis geworden.

Zu dieser eigentlich ahistorischen Schlacht hatte ich mir eine kurze fiktive historische Hintergrundgeschichte ausgedacht:

Im Jahr 1474 bewirkt der Expansionsdrang des Burgunderherzogs Karls des Kühnen einen Zusammenschluss mehrerer linksrheinischer Staaten im Heiligen Römischen Reich, namentlich des Erzbistums Trier, des Bistums Straßburg, Teile des Herzogtums Lothringen sowie des Kurfürstentums Pfalz, zu einem gemeinsamen Abwehrbündnis, der "Thrierer Coalition". Das gegenseitige machtpolitische Misstrauen der deutschen Fürsten untereinander verhindert jedoch, dass man sich auf einen von allen anerkannten gemeinsamen Oberbefehl über das Bündnis verständigt. Sinnvolle konzertierte Aktionen gegen das Vordringen der Burgunder sind damit unmöglich.

Man einigt sich schließlich unter maßgeblicher Initiative des Erzbischofs von Trier - dem rangmäßig Höchstgestellten innerhalb der Coalition - darauf, den Oberbefehl über die militärischen Aktionen dem Deutschen Orden als "ehrlichen Makler" (aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat von Bismarck ⁣ ) zu überlassen. Der Orden hat seine politisch-territoriale Machtbasis zwar in Osteuropa, nennt aber über das ganze Reich verteilt und so auch in der gefährdeten Region im Westen des Reiches mehrere kleine Besitztümer (sog. Kommenden) sein Eigen und ist deshalb auch von den Expansionsplänen des Burgunderherzogs betroffen (unter anderem in Trier, Saarbrücken, Straßburg und Mühlhausen).

Der Orden tritt nun aber, anders als von den deutschen Fürsten erwartet, mit eigenen starken Verbänden an, die bereits mit einigem zeitlichen Vorlauf aus dem Osten abkommandiert wurden - der Hochmeister Heinrich Reffle von Richtenberg, gebürtig aus Schwaben, verfolgt eigene Pläne und sieht die Chance, dem nach der Niederlage von Tannenberg (1410) gegen die polnisch-litauische Streitmacht im Osten unter Druck geratenen Orden im Westen des Reichsgebiets eine neue territoriale Machtbasis zu verschaffen.

Es wird zu einer der größten Schlachten des ausgehenden Mittelalters kommen, wenn die gewaltigen, tief gestaffelten keilförmigen Ordensritterverbände auf die furchteinflößenden und fein choreografierten burgundischen Verbände aus Bogenschützen, Pikenieren und Rittern treffen. Der Herzog von Burgund und der Hochmeister des Deutschen Ordens werden persönlich ihre Mannen ins Gefecht führen, an der Spitze ihrer Truppen! Ein Sieg der Burgunder könnte zugleich den Untergang des dann militärisch empfindlich geschwächten Ordens insgesamt herbeiführen, während ein Sieg des Ordens den Anfang vom Ende des Burgunderreiches heraufbeschwören könnte, wäre dies doch eine offene Einladung für alle burgundischen Feinde, sich über die prekär gelegene Mittelmacht herzumachen...